Bebauungsplan regelt die Weinbergbebauung


1970 wurde ein Bebauungsplan aufgestellt, ein bundesweiter Wettbewerb ausgeschrieben, der ermöglichte das der Weinberghang mit bis zu neungeschossigen Terrassenbauten und mit Tiefgaragen bebaut werden konnte. Die massive Eingriffe in die Topographie des historischen Areals wurden alsbald den Bürgern sichtbar, zumal die Rampe, die die Erschließung der Grundstücke sicherstellte, das Stadtbild verschandelte. Es begann eine Welle von Protesten aufgebrachter, betroffener Nachbarn, der Projektgruppe der UNI Kassel aus den Fachbereichen Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung, verschiedene Vereine und die GRÜNEN fanden sich zur massiven Kritik gegen die Zerstörung von Vegetation, Wohnhäusern, Wegen und Treppenanlagen zusammen. Besonderer Protest zog die nun sichtbare Bebauung auf sich. Unter dem Motto „Weinberg ja – Bebauung Nein!“ protestierte die 1983 entstandene Bürgerinitiative gegen die Überbauung des westlichen Weinberghanges und die Verdrängung von preiswertem Wohnen am Weinberg. Die ungewöhnlich heftige öffentliche Auseinandersetzung – begleitet von einer breiten Presseberichterstattung, unterstützt von Rundfunk und Fernsehen – konnte zwar den Bau eines Hotelkomplexes auf dem seit 1959 stadteigenem Grundstück der ehemaligen Henschelvilla, an dem drei internationale Hotelketten interessiert waren, verhindern, nicht jedoch eine Änderung des Bebauungsplanes und auch nicht den Baustopp für den Komplex einer zweiten Großwohnanlage mit 140 altengerechten Wohnungen und Tiefgarage. Erreicht wurde dennoch, dass 1983 die Unterschutzstellung des gesamten östlichen Weinbergbereiches inklusive der beiden letzten noch erhaltenden Gebäude der ehemaligen Henschelbesitzung. Aber selbst der Denkmalschutz hat weitere Zerstörungen der historischen Weinberganlage nicht grundsätzlich verhindern können.


Die Zukunft des Weinberges  -

 Was bleibt den Menschen!


Noch heute stützen die Sandstein-Quardermauern die Terrassen des Weinberges. Sie wurden während der letzten Wein-Anbauphase zwischen 1767 und 1775 errichtet, und waren lange Zeit noch unterhalb der Weinbergstraße sichtbar, heute noch im östlich Teil vor dem Henschelgarten zu sehen oder im Hang selbst, allerdings durch eine üppige Vegetation verdeckt. Sie gaben den Weinberg bis zur Bebauung 1979 seine charakteristische Struktur. Von den bürgerlichen Gärten im Weinberg und von den Felsenkeller-Gaststätten sind heute keine Bauten oder Einrichtungen mehr erhalten. Heute sind nur noch zwei Nebengebäude der Henschel-Ära im Sepulkralkulturmuseum integriert.


Zukunft des Weinberges

Im Laufe der Jahrhunderte diente der Weinberg unterschiedlicher Nutzung. Heute ist wenig von der wechselvollen Gestaltung und Nutzung übrig geblieben. Sichtbar sind die Mauern, Treppenanlagen, Terrassen, Wege und Altbauten. Die einige gestaltete Fläche scheint der ehemalig Fürstengarten mit Rondell zu sein. Dieses Areal auf dem Weinberg wurde um 1900 als Weinbergpark bezeichnet. Von der ursprünglich landwirtschaftlich genutzten Fläche vor der Stadt ist nichts mehr zu erahnen. Nur der von Henschel gestaltete so genannte Henschelgarten ist noch als Weinberg zu erkennen und auch erinnerungswürdig gestaltbar, wobei gartenarchitektonische und historische Wahrheiten zu beachten sind. So wäre nur der Teil des ehemaligen Henschelanwesens zwischen der Wirtschaftsstraße zum Stift, Sepulkralkulturmuseum, Fürstengarten und Frankfurter Straße einschließlich der „Grünen Brücke“ (Weinbergbrücke) zu gestalten, wobei die Felsenkeller in die gestalterische Planung, auch mit Gedenkstätte und Museum,  mit einzubeziehen sind. 


Die Bebauung des westlichen Weinbergs (Sanssouci), ehemals Pfarrer Jägers Haus (Wohnstift) und Wohnanlage im Philosophenweg.

Die Intensität der Nutzungszeiträume des Weinbergs ist in zwei Abschnitten zu würdigen
a) das gesellschaftliche Leben auf den Terrassen der Felsenkellerlokalen;
b) der Weinberg als Rettungskeller bei der Vernichtung Kassels durch alliierte Bomberkommandos.
Wenn auch die Schutzkeller nur drei Jahre von 1942 bis 1945 den Menschen Rettung gewährleisteten, so ist doch diese Nutzung die intensivste und zehntausenden von Menschen noch in Erinnerung geblieben. So dass hier mit einer Mahn- und Gedenkstätte an die Opfer des sinnlosen Krieges gedacht werden muss, um auch an die letzte zerstörerische Bombardierung Kassels am 8. und 9. März 1945 zu erinnern.
So ist der Weinberg nicht nur ein Wahrzeichen Kassels, sondern auch ein Mahnmal gegen das vergessen.
Vor dieser geschichtlichen Wahrheit ist es nachrangig, wie die gärtnerische Gestaltung auf dem Weinberg und im Henschelgarten durchgeführt werden kann. Wie schon ausgeführt hat dieser Rest-Weinberg mit dem historischen Weinanbaugebiet (Dorf Weingarten, Gebiet vor der Stadt
im 17. Jahrhundert) nicht mehr viel gemein. Wichtig ist, dass dieses Stück Erde den Menschen verkehrssicher zugänglich gemacht werden muss.
Gestaltungsansätze:
1.    Terrassen, Wege, Treppen und Mauerwerke den jeweiligen Epochen zuordnen
            und gestalten.
      2.   Nischen in den Stützmauern gestalten, z.B. Gedenktafel und Auszug aus der
Dichtung  Ernst Kochs, Nische für Henschel, Felsenkeller und Kriegsende vor den Weinbergbunker.
      3.   Eine Terrasse mit Weinreben bepflanzen, andere mit nordhessischen Pflanzen,
Baumschule, Obstanbau...
      4.    Wichtig: Rekonstruierung der Eidechse, Weg von der Frankfurter Straße,  
             Wirtschaftsweg noch vorhanden, an der Ruine des Gewächshauses vorbei
             unter der Rampe bis zum Tor des Wohnstifts Am Weinberg, dazwischen
             Nischen mit Brunnen, Sitzecken, Cafe und Info-Haus.
 Gestaltung der Felsenkeller/Luftschutzkeller.
5.    alte Felsenkeller von 1825 rekonstruieren, Bergwerksgeräte, Stollen, Wein und Bierfässer–Eislagerung, Verarbeitung und Hin–und Abtransport
6.    Stollen von 1942 rekonstruieren, Bänke und Betten, Saniabteilung, Funkraum,
    Belüftungsmaschinen, WC-Waschanlagen. Vorratslagerung Kommandeursraum des Festungskommandanten.

Stellungnahme zum Museumsbau auf dem Weinberg von Heinz Körner


Dicke Luft am Kaninchenberg - Bürger wehren sich gegen einen Museumsbau
4. Dezember 2011

Seit den 1870er Jahren wurden die Weinbergstraßen bebaut, damit die Reichen und Superreichen der Stadt hier bauen und wohnen konnten (Henschel). Um 1890 gab es keine Grundstücke mehr auf dem Weinberg. Die Bebauung mit hochherrschaftlichen Villen und Villen für das industrielle und kaufmännsche Großbürgertum mit Türmchen, Erkern, Garten und freie Sicht nach Süden und zum Herkules war um 1900 abgeschlossen. In den 1970er Jahren sollte auf dem Weinberg Hotelanlagen bebaut werden, die von der Kasseler Bevölkerung verhindert wurden. Verhindert wurde nicht, dass der westliche Weinberg mit dem Wohnstift und den Stadtvillen auf Sanssouci bebaut wurden:
Damit die Bürger der Stadt und auch Nordhessens  diese einzigartige und 
Geschichtsträchtige Lage nicht verloren geht, setzte ich mich für die Museenbauten ein, damit endgültig das schönste Stück Kassels einer sinnvollen und für die Allgemeinheit wertvollen Bebauung zugeführt werden kann., damit nicht nur die Kaninchen den Park bewohnen und sich hier Wohlfühlen, sondern
Alle die Schönheiten des Weinbergparks mit Fürstengarten bewundern können. Dazu muss aber noch viel getan werden. Und ich lege wert darauf, den Weinberg nicht als Anwohnerpark wahrzunehmen, sondern als historisches Gelände als:
- ehemaliger Weinberg,
- Teil der Festungsanlage,
- Felsenkeller (Biergärten zwischen 1825-1901) und Gartenanlage,
-  Stadterweiterung mit Bebauung vor der Oberen Neustadt,
- den Weinbergbunkern mit den Eisstollen.
Aus historisch wichtigem Grund gehört so der Weinberg den Bürgern der Stadt, denn schließlich wurde die Stadt wesentlich auf dem Rücken des Weinbergs gebaut. Aus diesem Grunde ist der Weinberg ein weiteres Wahrzeichen der Stadt
Und ein Mahnmal zugleich, wenn man daran erinnert, dass der Krieg mit seinen letzten Toten hier am Weinberg am 4. April 1945 vor den Bunkern und Sitz des Festungskommandanten  zu ende ging
Ich plädiere dafür, dass sich die Bürger der Stadt bei Planung und Bau der Museen sich einmischen, damit in und um ihnen herum, das verwirklicht wird, was alle wünschen, einen Stadtpark zu schaffen, wo all das berücksichtigt wird, was hier geschildert wurde.
 Einen Raum in den Museen zu schaffen, die die Geschichte des Weinbergs deutlich macht und den Bürgern und den Besuchern die Möglichkeit gibt, vom Dach der Museen über die herrliche Karlsaue, Schöne Aussicht, südliche Vorstadt mit ihrem neuen Wahrzeichen der Flutlichtanlage und nach Wesen zum Herkules zu sehen und sich daran zu erfreuen. Dann dürften alle in diesem Augenblick sagen: “Verweile doch du bist so schön!”

Was für den weswtlichen Weinberg gilt - sollte auch im östlichen Teil fortgesetzt werden - Eine Bebauung für die gesamte Bevlkerung und eine erste Adresse für Nordhessen gleichzusetzen mit der Anlage Wilhelmshöhe.

Der Fürstengarten sollte mit dem Weinbergpark verbunden und gestaltet werden!