Kriegsende – Kapitulation -Das Leben geht weiter!

Viele Menschen, die im Weinbergbunker Schutz suchten, haben das Kriegsende unmittelbar miterlebt und konnten darüber berichten. Sie erlebten Angst und Schrecken und sahen auch tote deutsche Soldaten am Weinberg liegen, als die Amerikaner die „Festung Kassel“ von der Frankfurter Straße und Straße An der Karlsaue unter Beschuss nahmen. Am 4. April war dann der Krieg in Kassel zu Ende und das nur 50 Jahre bestehende „Frankfurter Tor Viertel“ lag in Schutt und Asche. Aus dieser Asche wurde jetzt die Südstadt errichtet. Die Hausbesitzer konnten Pläne für den Wiederaufbau machen. Die Kinder und Jugendlichen spielten in den Ruinen und fanden einen „Abenteuerspielplatz“ vor, wobei sicher den Eltern das Herz stehen bleiben würde, wenn sie ihre Kinder „beim spielen“ zugesehen hätten.

Die größte Baustelle gab es zwischen der Straße Frankfurter Straße und der Straße An der Karlsaue, wo mehrere Mehrfamilienhäuser neu errichtet wurden. Es dauerte allerdings noch 10 Jahre bis alle Kriegsschäden in der Südstadt beseitigt waren oder die Häuser neu errichtet werden konnten. Das Foto aus dem Jahre 1989, fotografiert vom „Versorgungsamt“, zeigt deutlich, dass außer der ehemaligen Fleischerei Spohr die gesamte Häuserzeile neu errichtet werden musste. Auch heute noch kann man genau erkennen, welche Häuser zerstört waren.

Der jetzt wieder geschaffene Wohnraum reichte nicht aus um allen Flüchtlingen, Um- und Übersiedlern eine Wohnung zu geben. Deshalb entstanden Anfang der 50er Jahre Pläne für die Bebauung des Auefeldes. Am 2.11.1955 wurde das Richtfest gefeiert und das größte Kasseler Neubaugebiet nach dem II Weltkrieg fand große Bewunderung und Zustimmung.


Kleine Chronik von 1930 bis 1990


An dieser Stelle sollen Berichte von dem Ausbau der Keller 1942, der Kapitulation der Festung Kassel und Zeitzeugenberichte stehen, die den Untergang Kassels im Weinberg und der südlichen Vorstadt erlebt hatten. Diese Berichte sind in den Büchern: „Die Südstadt“(1988) „Kassels Südstadt“(1990) und „Kassel Südstadt“ vom Autor nachzulesen.

1940 wird die Stollenanlage aufgeräumt, trocken gelegt, Schutt beseitigt, begradigt und durch französische Kriegsgefangene ausgebaut. Es werden Sanitäranlagen, Elektrizität und Belüftung geschaffen. Es entstehen flache Ziegelsteingewölbe, die um die vier Meter breit und bis zu 80 Meter lang sind du die Ausmaße der alten Felsenkeller um ein vielfaches übertreffen und verändern. Schmale Verbindungsstollen vernetzen die Anlage. Die Fertigstellung sollte im Sommer 1942 zum Polizeifest gemeldet werden. So entsteht ein 2700 qm großer Luftschutzbunker, in der in den großen Angriffswellen der Amerikaner und Engländer über 8000 Menschen Schutz fanden. Die Stollen sind zur Orientierung durchnummeriert. Zeitzeugen berichten, dass am Eingang Nummern verteilt wurden, so dass jeder wusste, wo sein Platz war. Gegen Ende des Krieges war das aber nicht mehr durchführbar. Es wusste auch so inzwischen jeder, wohin er gehörte und wo sein Platz war. Viele hatten keine Wohnung mehr, wurden evakuiert oder konnten im Bunker sich einrichten.

Der Schiebler Keller wird bis 1867 ausgebaut. Er besitzt eine Eishalle mit Treppenanlage, um das Eis in die Halle zu transportieren. Die Halle wird von oben bestückt und hat einen Durchmesser von fünf Metern und eine Höhe von 7,70 Metern und ist mit Backsteinen ausgemauert. Im Lagerstollen gibt es Steinbänke und Auflagen für die Verarbeitung der Eisblöcke und Weitertransport mit den Pferdefuhrwerken zur Frankfurter Straße. Nach Berichten konnte man über die Treppe zum Weinberg gelangen. Es ist denkbar, dass die Bierbrauer, die auf den Weinberg ihre Gaststätten hatten, diesen kurzen Weg für den Nachschub anlegten. Im Zweiten Weltkrieg, so berichtet Zeitzeuge Egon Roppel, sind auch hier die Nonnen vom Elisabeth-Krankenhaus herunter gekommen.

Der Kellereingang hatte eine Rundung, damit die Pferdefuhrwerke mit ihren Fässern hier in den Stollen fahren konnten.

Was ist aus den Felsenkellern geworden?

1927/28 wird die Frankfurter Straße verbreitert. Viel Bauschutt wandert in die Stollenanlage.

1930 wird der Schiebler Keller noch von der Wirtevereinigung gepachtet

1940 wird die Stollenanlage aufgeräumt, trocken gelegt, Schutt beseitigt, begradigt und durch französische Kriegsgefangene ausgebaut. Es werden Sanitäranlagen, Elektrizität und Belüftung geschaffen. So entstehen flache Ziegelsteingewölbe, die um die vier Meter breit und bis zu 80 Meter lang sind du die Ausmaße der alten Felsenkeller um ein vielfaches übertreffen und verändern. Schmale Verbindungsstollen vernetzen die Anlage. Die Fertigstellung sollte im Sommer 1942 zum Polizeifest gemeldet werden. So entsteht ein 2700 qm großer Luftschutzbunker, in der in den großen Angriffswellen der Amerikaner und Engländer über 8000 Menschen Schutz fanden.

1945 wird in der Anlage eine Entlaussungs- mit Sanitätsstelle mit 500 Betten für die Soldaten eingerichtet, die aus dem Osten kamen und hier durchgeschleust wurden.

1949 gab es ein Wein- und Lebensmittellager.

1955 wird der Weinbergpark zur Bundesgartenschau mit einem Toilettenhäuschen eröffnet.

Ebenso nutzen Obdachlose unter den Nischen der Stützmauer die Anlage und wohnten teilweise zehn Jahre in ihrer “Villa Henschel”.

1966 ist der Bau eines Luxushotels, Erweiterungsbauten für die Staatliche Kunstsammlung im Gespräch.

1970 Hotelketten sind an einem Hotelbau interessiert

1973 die Gärten and er Eidechse werden durch den Investor planiert. Ein Bagger zerstört die Natur und die historischen Mauern beim Bau der Erschließungsstraße zur Seniorenresidenz.

1974 ist das Haus Hochapfel dem Neubauvorhaben im Weg.

1976 wird das Haus Bunsen abgerissen.

1979 Terrassenhausbebauung beginnt.

1982 wird der Henschelgarten in den Denkmalschutz aufgenommen.

1988-90 wird die Seniorenresidenz Am Weinberg auf dem Gebiet der ehemaligen Eidechse und Pfarrer Jägers Haus errichtet. Die Anlage erstreckt sich bis fast zum Henschelgarten. Für die Zufahrtstraße muss das Haus Bunsen ebenso weichen, wie die Gartenanlagen an der Eidechse, die jetzt unter der Rampe verläuft, teilweise noch sicht- oder erkennbar.



Das Frankfurter-Tor-Viertel wird zerstört


Am späten Abend des 8. März und am Vormittag des 9. März 1945 erlebten die Menschen, die noch in Kassel geblieben waren, zwei schwere Luftangriffe von britischen und amerikanischen Bomberverbänden. Die Zerstörung der Stadt zu komplettieren und die Produktion der verbundenen Panzer- und Flugzeugmotorenfabriken zu unterbinden und Rechsbahneinrichtungen zu zerstören, war das oberste Ziel laut "Nigth Raid Report" No. 859 der Royal Air Force. Die Angriffe dienten auch dazu den Einmarsch der Amerikaner am 1. April 1945 vorzubereiten. Die Stadt als Rüstungsschmiede mit Henschel, Wegmann und Fieseler, die Stadt als Zentrum des Militärs mit Generalkommando, Wehrmachtseinrichtungen und Kasernen und auch die Stadt der Reichskriegertage, sowie als Verkehrsknotenpunkt für Truppenbewegungen und Rüstungsgüter, wurde endgültig zerstört. Im Mittelpunkt der Zerstörungen standen das Frankfurter-Tor-Viertel, das Auefeld und Niederzwehren. Schätzungsweise ist über ein Drittel des noch vorhandenen Wohnraums vernichtet worden. So die Ausführungen des Kasseler Polizeipräsidenten als örtlicher Luftschutzleiter. Zeugen berichteten, daß es keinen Warndienst mehr gab. Die Hauptstraße des Frankfurter-Tor-Viertels, die Frankfurter Straße, war ein Inferno. Durch den Abwurf von Phosphor- und Sprengbomben brannten die meisten vierstöckigen Häuser vom Dach bis zum Erdgeschoß zur gleichen Zeit wie Fackeln. Es entwickelte sich eine unvorstellbare Hitze. Menschen, die verbrannten, waren nur noch 80 cm groß und verkohlt. Beim Angriff am nächsten Morgen verloren viele Menschen ihr letzte Habe, die sie nachts noch gerettet hatten. Bei diesem Angriff kamen etwa 60 Menschen ums Leben, die Zahl der Verletzten war jedoch erheblich größer. Eine ordnungsgemäße medizinische Versorgung der Bevölkerung gab es nicht mehr. Krankenhäuser waren zerstört, Ärzte fehlten überall.



Die Stimmung im Bunker

Für die Menschen im Viertel gab es zwei öffentliche Luftschutzbunker: das war neben dem Weinbergbunker der kleine Bunker gegenüber der Kleinen Weide an der Einmündung der Gräfestraße in die Tischbeinstraße gelegene Erdbunker, ein Bierkeller der ehemaligen Aktienbrauerei. Der Erdbunker schien wegen seiner geringen Felsüberdeckung nicht sicher genug zu sein, so daß viele den Weinbergbunker vorzogen. "Im letzten Kriegsjahr", so berichtet ein Zeitzeuge, "hatten wir fast täglich im Weinbergbunker Schutz gesucht. Um sich einen Platz zu sichern, gingen wir schon bei Einbruch der Dunkelheit in den Bunker. Fliegeralarm gab es regelmäßig während der frühen Nachtstunden. Unsere Mutter hatte in ihrer Tasche die Personalausweise, damals Kennkarten, Lebensmittelkarten und die wichtigsten Versicherungspapiere bei sich. Essen und Getränke mitzunehmen war nicht üblich. Erwachsene trugen Klappstühlchen mit, denn es fehlte an Sitzgelegenheiten. Der Bunker füllte sich schon vor dem Fliegeralarm,- manchmal gab es vor den sogenannten Voralarm,- ein Sirenengeräusch, das ich heute noch wieder erkennen würde. Später dann bei unmittlelbarer Gefahr und Vollalarm, war er schnell überbelegt. An den nur zum Teil mit Ziegelsteinen ausgemauerten Wänden standen Bänke. Wir Jüngeren (14 Jahre) standen, möglichst an der Wand, am Nachbar angelehnt, Halt suchend, oder auf dem Boden sitzend. Solange die Stromversorgung funktionierte, waren die Gänge elektrisch beleuchtet und die Ventilatoren sorgten für halbwegs erträgliche Luft. Eine gespenstige abwartende Ruhe und absolute Dunkelheit bei gleichzeitigem Stillstand der Ventilatoren erschrak uns jedesmal aufs Neue bei Ausfall der Stromversorgung. Kerzen durften nicht angezündet werden; der Sauerstoffmangel war so erheblich, daß Kerzen, die manche verbotswidrig ansteckten, verlöschten. In gewissen Abständen befanden sich an den Wänden von Hand zu bedienende Ventilatoren, die für etwas Frischluft sorgen sollten, aber bei weitem nicht die Leistung der Großventilatoren erreichten. Besonders wir Jugendlichen mußten die schwer zu drehenden Geräte bedienen. Alle zehn Minuten wurde abgelöst. Die Sauerstoffversorgung war das schwerwiegendste Problem des Bunkers. Die Menschen wurden aufgefordert, Hockestellung einzunehmen oder sich auf den Boden zu setzen, damit die Luft über die Köpfe hinweg zirkulieren konnte, und der Fels übertrug die Geräusche einschlagender Bomben. Unser Haus wurde bei dem Angriff am 8. März 1945 in der Esmachstrasse 64 total zerstört. Wir hatten alles verloren. Meine Eltern und unsere Nachbarn hatten den Angriff in ihren Kellern nicht überlebt. denn zwei Luftminen hatten die Häuser bnis auf die Grundmauern zerstört. Vom Weinbergbunker aus war unsere Straße nicht mehr erreichbar, zu viele Trümmer versperrten den Weg und es gab kein Durchkommen.



Tote im Weinberg-Bunker

Frau Liselotte Stieglitz erlebte die Bombennacht am 22. Oktober 1943 im Weinbergbunker. Sie war mit ihrer Kindern einkaufen, als Bombenalarm gegeben wurde und die Straßenbahn vor dem Weinbergbuker hielt. Sie suchten mit ihren Kindern Ottilie und Rosemarie Schutz im Bunker. Eine Bombe traf auch den Eingangsbereich und Gas drang in den Bunker ein, Menschen fielen zu Boden und ein Mann fiel auch auf Rosemarie, die anschließend starb und wie viele in einem Massengrab auf dem Hauptfriedhof begraben wurde. Die Mutter und Ottilie wurden mit einem Lastwagen nach Göttingen bebracht und dort behandelt. Sie wachten beide erst wieder im Krankenhaus auf .

Amerikaner vor dem Einmarsch

Am 29. März war der Weinbergbunker überfüllt. Es hatte sich herumgesprochen, daß die Amerikaner vor Kassel waren und jederzeit einmarschieren konnten. Deshalb bauten die Menschen eine Straßen-barrikade in Höhe des Philosophenweges und sie glaubten, sie wäre ein Hindernis. Im Bunker, so berichtete Frau Schlöffel, "wurden vor jedem Eingang zwei bis drei Mann postiert mit dem Befehl: "Verteidigung bis zum letzten Mann." Erfahrene Soldaten um Dr. Sommerfeld, sorgten dafür, daß man mit den Amerikanern Kontakt aufnahm, um unnötig noch Menschlenleben zu opfern. Die Verhandlungen hatten Erfolg. Die Amerikaner kamen mit einem großen Räumpanzer und schoben unsere Barrikade mühelos beiseite. Wir waren gerettet und durften unseren Heimweg in die Leuschnerstraße antreten." (Ursula Leinwather, geb Schlöffel, Heckerstraße 51)

Die Bomben fielen,

"wir kamen aus dem Bunker nicht mehr heraus"., so berichtete Erna Wölfle aus der Frankfurter Straße 274, "Es war für mich eine schwere Zeit. Ich war 16 Jahre und hochschwanger. Beim letzten Angriff auf Kassel wurde unser Haus, wo ich mit meinen Eltern gewohnt hatte, in Schutt und Asche gelegt. Danach mußten wir im Bunker hausen. Als die Amerikaner kamen, daran kann ich mich noch gut erinnern: Die Amis sagten: "Alle Soldaten und Männer raus!" Für den Fall, daß sie das nicht wollten, kämen die Amerikaner mit Flammenwerfer. Wir hatten alle Angst. Die Männer gingen dann raus, sie wurden von den Amerikanern empfangen, mit Gewehren gestupst und ihre Armbanduhren wurden ihnen weggenommen. Wir Frauen mußten auch raus, aber uns haben sie nichts getan. Die Männer mußten sich aufstellen und kamen ins Lager. Ich blieb noch ein paar Wochen im Bunker, denn ich hatte ja kein Zuhause mehr. Im Bunker kam jeden Morgen eine Frau und brachte mir und meinen Eltern Kaffee. Auch kümmerte sie sich darum, wenn im Bunker mal Butter oder etwas anderes zum Essen fehlte. Sie besorgte es mir, denn ich war hochschwanger. Wir bekamen dann zwei Zimmer, zwei Monate später bekam ich, jetzt 17 Jahre, eine Tochter, sie war kerngesund. Einen Kinderwagen kannte meine Tochter nicht. Ich nahm sie auf den Arm und ging so mit ihr spazieren bis sie zwei Jahre alt war, dann bekam ich einen Sportwagen geschenkt. Auf der Straße bekamen wir für das Kind von den Amis manchmal eine Tafel Schokolade geschenkt."



Heinz Körner, Autor: Tel.: 0561 493001 oder info@hek-kassel.de


Die US – Armee marschiert auf Kassel 1.- 4. April 1945

Das Kriegsende am Weinbergbunker aus der Sicht eines US Soldaten


4. April : Die US Armee in der Unterneustadt


Vorstoß nach Süden zum Karlsaue Park

12.00 Uhr Kassel ist eingeschlossen

Die deutsche Garnison wurde das das 1. Bataillon in die Luftschutzbunker getrieben!


Das 3. Bataillon mit Panzern verstärkt setzte seinen Marsch durch die Wilhemshöher Allee fort. Kampf von Haus zu Haus.


Zuvor hatte frühmorgens Generalmajor von Erzleben um eine Waffenruhe gebeten, um Zivilisten eine Evakuierung zu ermöglichen, was abgelehnt wurde, da die US Armee schon 2/3 der Stadt besetzt hielten.


Ultimatum an von Erzleben bis 12.45 Uhr mit Teilen seiner Garnison zu kapitulieren.


Der Luftschutzbunker war nun feindfrei.


1 325 Soldaten in Gefangenschaft genommen!

Insgesamt vom 1.- 4.April 3 791 Gefangene


Panzer im Werk Henschel und Entwürfe vom TYP Königstiger konfiziert.


Kriegsende für Kassel



Die- soldatische Tradition bleibt erhalten


Seit 1631 gibt es die Garnison in Kassel  und nach dem 30jährigen Krieg wurden auch Kasernen für die Soldaten gebaut. Während der Ausstellung “Kassel als Garnison” werden  Rundgänge  durch das ehemalige Kasernenviertel in der Altstadt und Wesertor angeboten. Nachdem das Königreich Westfahlen 1813 unterging, wurde die Garnison wieder begründet.  1913 feierten die Stadt das 100jährige besten der Garnison. 2013 folgt an dieses Ereignis anknüpfend  der 200. Jahrestag.

Ich der Auflösung der Garnison Kassel 1992 erinnern die Kameradschaften der Truppenteile an die jahrhundertlange Tradition. Nach dem abermaligen Untergang der Garnison 1945, konnte der BGS Kassel als Garnison 1951wieder  beleben.  1956 stellte der BGS den Rumpf der neu gegründeten Bundeswehr . In der Folgezeit konnte die 2./PzGrenDiv, die “Kasseler Jäger” (seit 1631), die Flugabwehr  und das Versorgungsbataillon 42 die Sicherheit Deutschlands innerhalb der Nato-Verbände gewährleisten. Der Ausbruch eines weiteren fürchterlichen Krieges (Kuba-Krise, Ungarnaufstand , CSSR Besetzung durch die UDSSR) konnte dank der Präsenz der Armee verhindert werden. In dem Thementag “Die Garnison Kassel heute” werden durch Vorträge die aktuelle Sicherheitspolitik und das weltweite Bedrohungspotential deutlich gemacht. Sicherheit ist der Preis der Freiheit.



1945: Der Vormarsch der US-Armee -

- Kapitualtion Kassels am 4. April um 12.45 Uhr


Am 2. April 1945 um 04.00 Uhr begann das 1. Bataillon mit den Kompanien A und B nebeneinander im Bereich Oberzwehren mit dem Marsch in Richtung Norden. Zu so früher Stunde herrschte kühle, leicht feuchte Morgenluft. Im Norden war das Aufblitzen der Artillerieeinschläge deutlich zu erkennen und das nachfolgende Feuer der Artillerie verlieh dem Horizont beim Anbruch des Morgens ein beruhigendes Rot. Gegen 04.30 erreichte die führende Kompanie das Randgebiet von Niederzwehren. Um 04.55 Uhr, als die Sturmeinheiten das südliche Randgebiet von Kassel erreicht hatten, ging der Feind mit 100 Infanteriesoldaten und 15 gepanzerten Fahrzeugen sowie sieben Panzern zum Gegenabgriff über.

Kurz vor der feindlichen Attacke hatten sich die Kompanien A und B entlang einer Schützenlinie in Anlehnung an Route drei entlang der linken Flanke in Richtung Norden bewegt. Links der Landstraße, etwa 90 Meter entfernt, befand sich ein bewaldetes Gebiet sowie ein erstes Gehöft mit zweistöckigen Häusern. Rechts der Straße entlang der Front der angreifenden Gewehrschützen befand sich ein Abschnitt mit Feldbefestigungen und Schützengräben, die sich von der Straße bis zum Fuße eines steilen, Baum bewachsenen Friedhofhügels hinzogen. Beiderseits der Landstraße erstreckte sich ein frisch gepflügter Acker vom Rand des Waldes bis zum Fuße des Hügels.

Durch den frühen Morgennebel, der die Randbezirke der Stadt nur sehr verschwommen darstellte, trafen sich die Sturmgruppen des 1.Bataillons über den Acker an. Geduldig harrten die deutschen Verteidiger in ihre Stellungen in den Wäldern aus, ohne das ein Schuss brach Sie ließen die Kompanien bis etwa 130.Meter vor ihren Stellungen herankommen. Feindliches Gewehrfeuer und Feuerstöße gegnerischer MGs durchbrachen dann plötzlich die Stille des Morgens. Das allmählich schwächer werdende feindliche Feuer traf die amerikanischen Linien und konnte diese kurz zum Stehen bringen, bevor es weiterging. Nun entschloss sich der Feind zum Gegenangriff mit gepanzerten Kräften.

Feindliche Panzer vom Typ Königstiger mit 88-mm-Langrohrgeschützen spuckten ihre Granaten in die angreifenden Gewehrschützen. Als das erste Geschoss einen Gewehrschützen verwundete, lief ein Sanitäter übe den offenen Acker, im den Kameraden zu versorgen. Daraufhin nahm ein weiterer Panzer die beiden Männer unter Beschuss, wobei einer der beiden sofort fiel und sein Kamerad tödlich verletzt wurde.

Sich am feindlichen Mündungsfeuer orientierend und immer wieder in Stellung gehend, um den Feind effektiv bekämpfen zu können, rückten die Kompanien A und B langsam weiter auf die feindlichen Stellungen vor. Das massive Feuer beider Kompanien tötete oder verwundete mehr als 40 feindliche Soldaten. Kompanie A nahm feindliche Stellungen und die Häuser seitlich der Straße. Im Verlaufe des Morgens feuerten die Männer dann aus den Schützenlöchern mit Bazookas auf die vorbeifahrenden Panzer vom Typ Königstiger.. Leider explodierten die Granaten nicht beim Auftreffen auf die Panzer. Gegen Mittag war es den inzwischen angeschlagenen Teilen der Kompanie A gelungen, eine schwache Linie, die sich vom ersten Haus über die feindlichen Feldbefestigungen bis zum Friedhof oben auf dem Hügel erstreckte, zu halten. Kompanie B an der rechten Flanke musste schweres feindliches Feuer aus MG-Stellungen nehmen. Kompanie C wurde schließlich eingesetzt, als die Kompanie A und B schwere Verluste hinnehmen mussten. Die Kompanie rückte über die Bahnschienen im Zuge der angreifenden vordersten Teile in der Nähe Niederzwehren vor. Das zweite Bataillon hatte bereits früher am Morgen nördlich von Großenritte in Richtung Altenritte angegriffen und diesen Bereich schnell von feindlichen Kräften befreit. Der Angriff wurde dann nordwestlich in Richtung Höhengelände Brasselsberg Wald und Brasselsberg gegen zunehmenden Widerstand des Feindes fortgesetzt.

Gerade erst hatte das 3. Bataillon, das dem ersten nachfolgte, Sturmangriffsstellungen am Südrand Oberrzwehren bezogen, da griff der Feind an. Als der Feind seinen Angriff gegen die 3. Kompanie des Bataillons führte, ging ich in Stellung, um den Angriff abzuwehren.Dieser Angriff dauerte drei Stunden und zog 57 feindliche Soldaen und 28 weitere Verwundete nach sich. Das Bataillon setzte dann seinen Vorstoß nordwestlich Richtung wehlheiden fort, wo es unter schweren Beschuss geriet. Teile der L-Kompanie mit schweren verwundeten Soldaten führten eine Stoß gegen feindliche Stellungen in einem nahegelegenen Haus. Dabei wurden sieben Gefangene gemacht, die dann die Verwundeten in den rückwärtigen Bereich zu tragen hatten. Andere Angehörige der Kompanie, die für zehn Stunden abgeschnitten waren und weder Verpflegung noch Wasser oer Verbindung zur Kompanie hatten, leisteten den Verwundeten bis zu deren Abtransport auch unter Feindeinwirkung Hilfe.

Zwar konnte der Angriff des Feindes die Kinien CT 318 nicht gänzlich durchbrechen, die Lücken zwischen dem 1. und dem 2. Bataillon wurden jedoch ausgeweitet. Der Feind setzte seinen Vorstoß enlang der linken Flanke des 1. Bataillons fort Die Fernmeldeverbindungen von CT 318 wurden unterbrochen und der feindlichen Panzertruppe gelang es, sechs Jagdpanzer des 811. Jagdpanzerbataillons sowie vier 57-mm-Panzerabwehrgeschütze zu zerstören. Mit einer raschen Bewegung Richtung Süden nahm die feidliche Panzergruppe Altenbauna und stieß dann weiter südöstlich in die Nähe von Kirchbauna vor. Der Angriff wurde dann schließlich durch entschlossene Abwehrnassnahmen von CT 318 und in einer Zangenbewegung durch CT 317 aus Westen zum Stehen gebracht Die Bataillone von CT 318 setzten ihren Angriff nordwärts entlang der Randgebiete von Kassel fort. Um 15.50 Uhr griff der Feind erneutsüdöstlich der Stadt in der Nähe des 1. Battaillons an. Unterstützt durch das 314. Feldartilleriebataillon und dessen hoher Treffsicherheit, gelang es dem 1. Bataillon, sechs Feindpanzer zu zerstören, während die verbliebenen feindlichen Angriffskräfte sich nah Kassel zurückziehen konnten. Gegen einbruch der Nacht hatte CT 318 den Feind trotz starken Widerstandes nach Kassel zurückgeschlagen. Das 1. Bataillon setzte sein Gefecht im südlichen Randbereich der Stdt gegen massives Feuer aus Handwaffen, Panzerabwehr- und Panzerstellungen fort. Dem 2. Bataillon gelang es, trotz Beschusses aus 20mm-Panzerflak-Geschützen gegen Braseelsberg vorzurücken und den Ort schließlich um 20.10 Uhr zu nehmen. Den Auftrag, die angrenzenden Wälder vom Feind zu säubern, erhielten die Kompanie F und G, während die Kompanien E und H zur Sicherung der Stdt eingesetzt wurden.Mit der Absicht, das ans westliche Kassel angrenzende Höhengelände zu nehmen, setzte das 2. Bataillon später in der Nacht seinen Marsch in Richtung Norden fort. Das 3. Bataillon, das sich zwischen dem 1. und 2. Bataillon vorgeschoben hatte, rückte weiter vorwärts nördlich von Oberzwehren entlang der von Südwesten nach Kassel führenden Bahnschienen. Zwar war im Verlaufe des Marschweges durchweg massiver Widerstand des Feindes zu verzeichnen, zum Ende hin jedoch konnte das Bataillon Stellung im

Rangierbahnhof von Kasel beziehen und weiter Druck nach Norden machen. Im Laufe des Tages hatte CT 318 (212) Gefangene gemacht und fünf Städte genommen, sowie sechs feindliche Panzer, vier 88-mm-Fla-Geschütze, einen Volkswagen, zwei Halbkettenfahrzeuge und vier Versorgungs-LKWs vernichtet. Der Feind kämpfte verbittert gegen den Vorstoß an und konnte, trotz zweier schwerer Gegenangriffe, das weitere Vorrücken von CT 318 nicht verhindern. Der Erfolg von CT 318 bis zu diesem Punkt hatte jedoch seinen Preis. Im 1. Bataillon gab es 14 Gefallene sowie einen große Anzahl von Verwundeter. Das 2. Bataillon hatte ebenfalls mehrere Verwundete zu beklagen und einige 57mm-Panzerabwehrgeschütze verloren.Zum Ende des Gefechts hatte sich CT 318 fest im Randbereich von Kassel eingerichtet - mit dem 1. Bataillon im Süden, dem 2. Batailon im westen und dem 3. Bataillon im Südwesten. Der Widerstand des Feindes während des Tages wurde aus dem Einsatzverband "Eisenach", mehreren 88mm-Batterien des 64. schweren Fla-Bataillons, Batterien des 166. Reserve-Infanteriebataillons, der 86. Alarm-Kompanie und der 15. Panzergrenadierkompanie gebildet. Die Schwerpunkte des Feindes befanden sich hauptsächlich in den Städten sowie im Bereich von Schlüsselgeländeabschnitten zur Absicherung der südlichen Zugänge nach Kassel. CT 318 war in heftige Verzögerungsgefechte verwickelt, als Feind die Brücken sprengte und sich in den nördlichen Raum Kassels zurückzog. Während der gesamtem Nacht hindurch säuberte CT 318 seinen Bewegungsstreifen, um den Angriff am nächsten Morgen fortführen zu können.

Am 3. April 1945 um 05.00 Uhr setzten alle Bataillone bei Regen den Kampf um die Einnahme der Stadt fort. Das 1. Bataillon griff zu diesem Zeitpunkt entlang der rechten Flanke des Regiments in Richtung Nordost südlich der Stadt an. Das 1. Bataillon griff um 05.00 Uhr entlang der Frankfurter Straße an und stieß weiter nordostwärts in die Stadt vor bis in den Bereich Karlsauepark zur rechten des Bataillons. Bei Erreichen des südlichen Abschnitts des Parks steiß das Bataillon auf starken Widerstand durch Infanterie und Panzer der Kraftfahrer- und Infanterie-Kaserne auf der linken Seite der Frankfurter Straße. Hierdurch geriet der Vormarsch ins Stocken. Um Mitternacht wurde im Bereich der Kaserne Barracks noch immer schwer gekämpft. Um 16.04 Uhr beschlagnahmte ds 1. Bataillon eine Gasmaskenfabrik, deren Räumung bis 17.56 andauerte.Das Bataillon setzte anschließend seinen Marsch über die Bahnschienen, der Spur eines deutschen Panzers vom Typ Königstiger folgend, fort. Das 2. Bataillon griff gegen 05.00 Uhr weiter aus Westen an. Zwar griff das Bataillon in Richtung Norden an, drehte jedoch um 08.00 Uhr in der Nähe des nördlichen Abschnitts der Stadt in Richtung Osten ab, um weiter zur Stadtmitte bis zur Fulda vorzustoßen.

Um 12.55 Uhr säuberte die Kompanie G den Bereich westlich der Bahnstrecke, wöhrend Kompanie F die Rangierbahnhöfe und anliegende Häuser von Feind freikämpfte. Gegen Mittennacht hatte das Bataillon den gesamten nördlichen Bereich von Kassel eingenommen und um 16.45 Uhr das noch imme rin Betreib befindliche Kraftwerk und einen Rundfunksender besetzt und die feindlichen Pioniere gefangengenommen, noch bevor diese die beiden Einrichtungen in die Luft jagen konnten.Mit erreichen der Fulda unternahmen Teile des Bataillons um 20.08 Uhr den Versuch, eine Personenbrücke und eine Fahrzeugbrücke, die über den Fluss führten, zu nehmen.Die Kämpfe dauerten bis 23.45 Uhr an. Zur Rechten des Bataillons steiß ds 3. Bataillon verstärkt durch einen Panzerzug von Kompanie B, 702. Panzerbataillon, aus seinen Stellungen im Rangierbahnhofsbereich des

Bahnhofs Wilhelmshöhe nordöstlich der Stadt vor. Die Kompanie K hatte den Auftrag, über einen großen Friedhof anzugreifen, auf dem die Deutschen Maschinengewehre, Flugabwehrgeschütze undanderes Gerät in stellung gebracht hatten. Ziel war es, schnel und unbemerkt zum deutschen Stab zu gelangen.In pechschwarzer Nacht, über Bahnschienen stolpernd, überwältigten sie ahnunfgslose Streifen der Nazis auf deren Vorposten und nahmen die Gefangenen dabei in die Mitte derr vorrückenden Kompanie. Hierbei war es notwendig, direkten Körperkontakt zu halten, damit die Gefangenen in der Schwärze udn Totenstille der Nahct nicht verloren gingen. Mit weiterem Vorrücken auf das Ziel wurden weitere deutsche Gefangenen gemacht, die mit dem unverwechselbaren Geräusch ihrer Stiefel beim Marschieren den Eindruck eine rzurückkehrenden deutschen Einheit erweckten. Ein Feldwebel, der routinemäßig seine Leute am Ende der Kolonne überprüfen wollte, hielt volle rVerblüffung inne. In der Annahme, das es sich um eine deutsche Kompanie handelte, hatte sich eine deutsche Maschinengewehreinheit mit zerlegten Maschinengewehren der Kompanie K angeschlossen und auf weitere Befehle gewartet. Beide Seiten waren gleichermaßen überrascht als klar wurde, was wirklich los war.

Gegen den Widerstand von Scharfschützen in sorgfältig erkundeten Stellungen maschierte die Kompanie I,L und M weiter in Richtung Norden, wobei sie an frisch lankierten POanzern vom Typ Königstiger der Firma Henschel vorbeikamen. Um 14.30 Uhr hatte das Bataillon die Kreuzung Wilhlmshöher Allee/ Hohenzollernstraße erreicht, wo das Bataillon ostwärts in Richtung Fulda eindrehte. Am späten Nachmittag unternahm der Feind zwei Gegenangriffe - einen entlang jeder Straße - im verzweifelten Unterfangen, den Vormarsch des 3. Bataillons aufzuhalten. Um 16.35 Uhr waren beide Angriffe zurückgeschlagen. Zum Ende des Tagen war das Bataillon noch imme rauf dem Vormarsch Richtugn Osten, wobei der größte Teil des westlichen Standbereiches bereits genomen war. Die Gefechte während des Tages waren gekennzeichnet von schwerem Häuserkampf und bemerkenswerten Raumgewinnen trotz heftigen und hartnäckigen Widerstands. Als Folge des Zangenangriffs mit drei Spitzen durch CT 318 gegen Kassel - von Süden, von Norden udn von Westen - konnte eine Rekordzahl an Gefangenen gemacht, sowie eine erhebliche Anzahl feindlicher Ausrüstungsgegenstände und zahlreiche Einrichtugnen und Anlagen erbeutet werden.

Zu letzteren gehörten der große städtische Rundfunksender, ein großes Kraftwerk, eine Gasmaskenfabrik,eine Waffenfabrik, die Rangierbahnhöfe sowie eien Personenbrücke über die Fulda.

Im weiteren Verlauf der kalten Nacht des 3. April 1945 und bis in die dunklen Morgenstunden des 4. April 1945 - ein wolkenverhangener, kalten udn regnerischer Tag - unternahme n alle Bataillone und Regiments schließlich den Versuch, die Stadt endgültig einzunehmen. Auf den wahrscheinlich heftigsten Widerstand traf das 1. Bataillon, das um 00.15 Uhr noch immer in der Kraftfahrer-Infanterie-Kaserne östlich des Karlsaue Parks in Gefechte verwickelt war.Bei der Verteidigung der Kaserne feuerte der Feind massiv aus Handwaffen udn automatischen Waffen udn verwendete große Mengen Granaten. Bei TAgesanbruch war auch dieser Schwerpunkt geschwächt und es konnten merh als 200 Gefangene in den Gebäuden gemacht werden. Nach Anbruch des Tages um 08.56 Uhr säuberte das Bataillon im weiteren Vorrücken den Park und das Herz der Stadt nordöstlich im Zuge des Westufers der Fulda. Gegen Mittag hatten Teile des Bataillons den großen Luftschutzraum erreicht, in dem sie die verbliebenen Teile der deutschen Garnson sich auf ein letztes Gefecht vorbereiteten. Das 2. Bataillon setzte unterdessen die Säuberung des nordwestlichen Abschnitts der Stdt estlich der Fulda fort.

Am Morgen hatten Teile des Bataillons die Fuldabrücke im Zentrum der Stadt am Altmarkt überschritten und ohne Beschädigung genommen und sich um 10.10 Uhr mit Teilen von CT 319, die sich entlang des östlichen Abschnitts des Flusses in Richtugn Norden bewegten, in der Nähe der Unterneustadt eingerichtet. Auf eigene Initiative hin unternahm das 2. Bataillon einen Vorstoß südlich entlang des Westufers zum Zwecke der Kontaktaufahme mit dem 1. Bataillon, das sich vom Karlsaue Park nach Norden entlang des Westufers bewegte. Gegen Mittag bildeten Teile des 2. Bataillons den nördlichen Abschnitt einer kreisförmigen Linie, mit deren Hilfe die deutsche Garnison, die durch das 1. Bataillon in die Luftschutzbunker getrieben worden war, eingeschlossen werden sollte.

Das 3. Bataillon, durch Panzertruppe verstärkt, setzte seinen Marsch Richtung Osten durch die Stadt entlang der Hauptstraße Wilhelmshöher Allee weiter fort. Der Kampf von Haus zu Haus erschwerte das Vorrücken des Bataillons, das sich langsam von West nach Ost bewegte, wo es sich am Fluss Teilen des 2. Bataillons anschließen sollte. Die Vereinigung dieser Kräfte war gegen Mittag abeschlossen.
Früh am Morgen, etwa etwa eine Stunde nach dem Beginn des Angriffs des Regiments, hatte der Kommandeur der deutschen Garnsion, Generalmajor Erxleben, um eine dreistündige Waffenruhe gebeten, um die Evakuierung von Zivilisten aus der Stadt zu ermöglichen. Da sich zwei Drittel der Stadt aber bereits in den Händen von CT 318 befanden, wurde diese Waffenruhe abgeleht. Colonel G.W: Smythe und LtCol A.G. Elegar überreichten dem deutchen Kommandeur ein Ultimatum, woraufhin der deutsche General um12.45 Uhr mit den verbliebenen Teilen seiner Garnison kapitulierte.
Der Luftschutzbunker in dem Felsen, auf dem sich der Altstadtbereich befand, war nun feindfrei. Insgessamt 1325 feindliche Soldaten wurden im alufe des Tages gefangen genommen. Während der viertägigen Gesamtoperation (1.-4. April 1945), die mit der Einnahme Kassels endete, gelang es CT 318, 32 Km gen Norden vorzustoßen, 3791 Gefangene zu machen, 36 Städte zu erobern und eine erhebliche Anzahl feindlicher Ausrüstungsgegenstände bzw. Material zu bschlagnahmen oder zu zerstören. Im Zuge der Beschlagnahme der industriellen werksanlagen der Stadt wurden im werk Henschel u. Sohn, das auch während des Angriffs den Betrieb noch aufrecht erhalten hatte, sämtliche Entwürfe der Panzer vom Typ Königspanzer konfiziert.

Mit der Kapitulation der Stadt Kassel um 12.45 Uhr bereitete sich auch die 80. US-Infanteriedivision darauf vor, den Feldzuzg nach Osten fortzusetzen. Die südliche Divisionsgrenze verlief entlang der Linie Wellerode (9 Km südöstlich Kassels) ostwärts 19 Km nach Dohrenbach (3 Km südlich Witzenhausens) an der Gelster. Dielinke Flanke verblieb so, wie sie bereits vor der Kapitulation der Stadt festgelegt worden war, auf eienr Linie Nord-Süd etwa 24 Km westlich Kassels Die Division war an der linken Flanke des XX. US-Korps und der dritten US-Armee eingesetzt mit Teilen der 1. US-Armee zu rLinken und der 76. US-Infanteriedisivion zur Rechten.

Am 4. April 1945 noch vor 18.00 Uhr (15.10) erhielt ds 1. Bataillon von CT 318 den Auftrag, Teile von CT 319 östlich der Fulda-Brücke im Raum Bettenhausen abzulösen. Um 18.00 Uhr war die Ablösung vollzogen und das Bataillon für die Nacht in Häusern untergebracht. Das 2. Bataillon verblieb zur Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung sowie zur Errichtung von Straßensperren in Kassel und schickte für den Rest des Tages motorisierte Streifen zur Erkundung durch die Stadt. Das 3. Bataillon bestreifte den Nordosten der Stdt und errichtete in diesem Bereich Straßensperren.

Während des 5. April 1945 wurde Kassel durch CT 318 besetzt. Dabei hielten Teile des Regiments auch die außen liegenden Vororte besetzt. Das erste Bataillon hatte die Kompanien B und C zur Bewachung von Anlagen in Ochshausen 5 Km südöstlich der Brücke entsandt, während die Kompanien A und D die Ortschaft Bettenhausen bestreiften. Kompanie E des 2. Bataillons, verstärkt durch einen Panzerzug, hielt Ihringshausen nördlich von Kassel besetzt und ging dort um 07.30 in Stellung. Die Kompanien I und K drangen bis in die Ortschaft Harleshausen vor und gingen dort zur Sicherung über. Um 13.30 Uhr begannen Teile der 69. US- Infanteriedivision mit der Ablösung von CT 318 in Kassel. Colonel Luckett, Kdr. von CT 318, wurden zum Abschluss des Ablösevorgangs auch sämtliche Kräfte des ablösenden 271. Infanterieregiments unterstellt. Die Ablösung dauerte die gesamte Nacht.

Ab 6. April 1945 bis um 11.20 Uhr war die CT 318 vollständig aus der Besetzung von Kassel herausgelöst und Teile des Regiments bereiteten sich auf den Marsch über Route 7 durch Creuzburg und Eisenach in einen vorgeschobenen Verfügungsraum westlich von Gotha in der Nähe von Mechtersstädt, Friedrichswerth und Ettenhausen vor. Der Marsch über eine Strecke von 84 Km in Richtung Ostsüdost begann um 17.35 Uhr mit dem 2. Bataillon voraus, sowie dem 1. Bataillon um 21.45 Uhr und dem 3. Bataillon um 22.00 Uhr nachfolgend. Teile von 318 schlossen den Marsch am 7. April 1945 um 10.00 Uhr ab. Stabs- und Versorgungskompanie CT 318 verelnigt nach Sättelstädt. Mit Verlegen in die Nähe von Mechterstädt machten sich vorgeschobene Teile des Regiments in den frühen Morgenstunden erneut auf den Marsch zur Ablösung von Teilen der 4. US-Panzerdivision bei Gotha (19 Km östlich).

Die Ablösung der gepanzerten Einheit, die sich nach Osten hin weiterkämpfte, war um 20.00 Uhr abgeschlossen., also zum Zeitpunkt, wo die Verantwortung für den Bereich auf CT 318 überging. Das Regiment beherrschte den Raum Gothabis hin zu einem Punkt etwa 460 Meter südlich der Reichsautobahn. Das 3. Batailllon als Regimentsreserve und der Stab 318 richteten sich etwa 2,5 Km östlich von Gotha in Siebleben. Das 1. Batillon verlegte in den rechten Regimentsabschnitt 6.5 Km südöstlich von Wechmar. Das 2. Bataillon

bildete den Vorposten des Regiments an der linken (nördlichen) Flanke 7 Km ostsüdöstlich in Seebergen. Die Geschützkompanie erreichte Gotha um 20.15 Uhr während die Kompanie B, 305. Sanitätsbataillon, im Bereich Stab 318 unterzog.

Am 8. April bis um09.45 Uhr hatte die CT 318 die Ablösung der 4. Panzerdivision und der 89. Infanteriedivision vollzogen. Das Regiment setzte Streifen in seinem Verantwortungsbreich ein und hielt die Stellung während des gesamten Tages mit nur leichten Änderungen und Disloszierungen des 1. und 2. Bataillons. Um 13.35 Uh erhielt die Kompanie C durch das 1. Bataillon den Auftrag, per Fußmarsch von Wechmar ins Höhengelände nördlich von Mühlberg zu verlegen. Das Höhengelände befand sich in der Nähe von bzw. bei Hill 393 im Waldgebiet Rohnbach und bot einen guten Blick über die Autobahn. Die Kompanie errichtete Straßensperren quer über die Landstraße mit Ausrichtung nach Osten. Durch die Verlegung wurde die Infanterieeinheit von Kompanie C nun zum vordersten Element der Alliierten Truppen an der Westfront. Die übrigen Teile des Bataillons bestreiften weiterhin die nähere Umgebung von Wchmar und bildeten Feldposten im Osten und Nordosten der Stadt. Das 2. Bataillon verschob die Kompanien F und G in den Nordosten von Seebergen, um auf diese Weise einen Feldposten in Richtung Ortschaft Tuttleben in 3 Km Entfernung zu bilden.


Die Kapitulation der "Festung Kassel" am 4. April 1945 von Dirk Uhse, 0rdonnanzoffizier


Mitte März 1945 gelangte ich durch eine Reihe von im militärischen Leben so häufigen Zufällen zum Stab des Kommandanten von Kassel. Hier war ich als Abwehr-, Gerichts- und Ordonnanzoffizier so eine Art "Mädchen für alles". Kommandant war der Generalmajor Johannes Erzleben, aktiver Offizier der Nachrichtentruppe. Seine Verwendung in der Heimat war durch ein Kriegsleiden bedingt, das ihn offenbar stark behinderte. Ungeachtet dessen hat er, soweit ich das beurteilen kann, sich nach besten Kräften bemüht, seine schwierige und höchst undankbare Stelle so gut wie möglich auszufüllen. Hervorzuheben ist besonders sein Bestreben, der so schwer heimgesuchten Zivilbevölkerung alle vermeidbaren Unannehmlichkeiten zu ersparen. Sein Andenken in Kassel ist leider dadurch getrübt, daß er unmittelbar vor der Kapitulation versehentlich einen Mann niederschoß, den er für einen Plünderer gehalten hatte. Aber auch diese Tat ging letzten Endes auf seine stete Sorge zurück, die Zivilbevölkerung könne durch Ausschreitungen gefährdet oder geschädigt werden.

Sein Stab bestand größtenteils aus älteren Offizieren des Berurlaubungsstandes. Ein Eingehen auf ihre Zusammensetzung würde hier zu weit führen. Die Mehrzahl dieser Offiziere hat aber ihre oft schwere Pflicht stets getan. Dies ausdrücklich anzuerkennen, halte ich für meine Pflicht. Wesentliche Aufgabe des Kommandanten war die Verteidigung der "Festung Kassel". Diese Festung bestand in dem weitgehend ausgebombten Kassel. Verteidigungsanlagen habe ich nicht gesehen, wenn man nicht einige sehr fragwürdige Barrikaden auf den Ausfallstraßen als solche ansehen will. Den Kern der Besatzung bildeten die Angehörigen der Kasseler Ersatztruppenteile. Die Haltung dieser teils noch sehr jungen, teils überalterten, oftmals verwundet gewesenen Soldaten war höchst anerkennenswert. Sie wurde unterstützt (!) durch Rekonvaleszenten, Versprengte, Heimatflak, Polizei, Arbeitsdienst und kroatische Landstürmer. Die Kopfstärke dieser Garnision ist mir nicht bekannt. In keinem Fall war sie in der Lage, die weitausgedehnte Stadt auch nur gegen einen Infanterieangriff zu halten. Dazu kam die völlig unzulängliche Bewaffnung. Die Festungsartillerie wurde, wie man so schön sagte, "durch Flaggen dargestellt", doch sollten einige, nicht bewegliche Flakgeschütze vorhanden gewesen sein. Im übrigen sah man Infanteriewaffen, die sich in einem Heeresmuseum besser ausgenommen hätten, als in den Händen einer Kampftruppe.

Je mehr die Zeit fortschreitet, desto hektischer wurden die Durchhalteparolen. Der "Endsieg" und die "Wunderwaffe" spielten eine große Rolle. Im Rahmen einer Absetzbewegung (auf gut Deutsch: Rückzug) kam durch Kassel der Stab eines Generalkommandos. Der Kommandierende ließ keinen Zweifel darüber, was mit denen geschehen würde, die nicht "bis zum äußersten halten" würden. Dann setzte er sich weiter gen Osten ab. Anfang April tauchten in Kassel zwei Beauftragte des Reichsführers SS in mir unbekannten Uniformen auf. Sie sahen aus wie Gangster und benahmen sich auch so. Auch sie forderten Verteidigung "bis zur letzten Patrone", andernfalls würden Standgerichte den Widerstandswillen etwas ankurbeln. Dann verschwanden auch diese beiden Widerständler ebenso plötzlich wie sie erschienen waren. Von allen Seiten und auf jede denkbare Weise wurde der Kommandant von Kassel unter Druck gesetzt, seine "Festung" bis zum letzten Mann zu halten.

Um die Wende März/April 1945 drangen die Amerikaner in die Räume südlich von Kassel vor. Die Kämpfe im "Vorfeld der Festung" flackerten auf. Am 3. April 1945 war ich fast den ganzen Tag über mit dem Krad unterwegs gewesen. Spät abends kehrte ich in den Weinbergbunker zurück, den Gefechtsstand des Stadt- bzw. Kampfkommandanten. Todmüde legte ich mich in einem Winkel schlafen. Mitten in der Nacht wurde ich geweckt und zum General geholt. Ein jüngerer Offizier sagte mir vorher, es solle ein Parlamentär zu den Amerikanern geschickt werden, der General fände aber keinen. Als ich den Befehlsraum betrat, sah ich General Erxleben an einem Tisch sitzen, um ihn heraum mehrere ältere Offziere. Düsteres Schweigen. In einer Ecke bemerkte ich die blasse und übermüdete Frau des Generals, die ihrem kränkelnden und pflegebedürftigen Mann in den Bunker begleitet und dort betreut hatte. Überhaupt sollen damals im Weinberg über 4000 Zivilpersonen Zuflucht gefunden haben. Erxleben fragte mich, ob ich in seinen Auftrag als Parlamentär zu dem amerikanischen Befehlshaber gehen wolle. Schlaftrunken brachte ich das obligatorische "zu Befehl" heraus. Jetzt wurde der Kommandant lebhaft. Er erklärte mir nachdrücklich, es handle sich keineswegs um einen Befehl. Er bittet mich vielmehr darum, ihm diesen Gefallen zu tun und wolle mir nicht verhehlen, daß die Ausführung des Auftrags in mehr als einer Hinsicht überaus riskant sei. Nun werde auch ich munter. Aber ich sah keine Veranlassung, die Bitte meines Vorgesetzten nicht zu erfüllen. Daß die Verteidigung dieser sogenannten "Festung" Wahnsinn war, konnte jedes Kind einsehen. Der General beauftragete mich nun, den amerikanischen Befehlshaber aufzusuchen und mit ihm entweder freien Abzug für die Reste der Truppe oder wenigstens für die Zivilbevölkerung auszuhandeln.

Jetzt kam es zu einer rührenden Szene. Als ich mein Koppel abschnallte - ich hatte mal gehört, man dürfe als Parlamentär keine Waffen tragen - trat die Frau des Generals plötzlich auf mich zu und umarmte mich schweigend. Dann machte ich mich auf den Weg. Ein Dolmetscher und ein Feldwebel sollten mich begleiten. Der erste - meiner Erinnerung nach ein Kasseler Arzt (Dr. Sommerfeld) - hatte sich freiwillig dazu gemeldet. Von den guten Wünschen der Posten und Umstehenden begleitet, kletterten wir über die große Barrikade in der Frankfurter Straße, in Höhe des früheren Geschäfts Bleil & Wögerer, am Fuße des Weinbergs. Dann marschierten wir langsam und feierlich bei strahlend hellem Mondschein stadtauswärts. Ich hatte meine beiden Begleiter gebeten, möglichst weit zurückzubleiben, damit wir beim "Fall der Fälle" nicht alle drei auf einmal erledigt würden. Während ich mich bemühte, mich nicht ständig mit den Füßen in die Drähte der heraubgeschossenen Oberleitung der Straßenbahn zu verwickeln, schoß es rechts und links in den Seitenstraßen des Aueviertels, huschten einzelne Schatten um die Ecken, stiegen Leuchtraketen auf und klatschten Splitter und Trümmerstücke auf das Pflaster. Unmittelbar vor dem Tor der Jägerkaserne stieß ich auf den vordersten amerikansichen Gefechtsvorposten. Er war offenbar sehr müde und döste im Stehen. Als ich plötzlich vor ihm stand, erschrak er derartig, daß er beinahe über das neben ihm stehende MG gefallen wäre. Mit Hilfe unseres Dolmetschers bemühte ich mich, den sehr mißtrauischen Amerikanern meine Absicht verständlich zu machen. Wir wurden darauf unter achtungsgebietender, bis an die Zähne bewaffneteer Eskorte in den Vorraum des ehemaligen Husaren-Kasinos (des späteren Paradise-Clubs) gebracht. Hier durchsuchte man uns auf Waffen und nahm uns alles ab, was die Sicherheit der US-Army gefährden konnte. Üerraschender Weise gehörten auch unsere Uhren dazu. Als wir Bedenken hiergegen äußerten, wurden diese unter Vorhalten der Schußwaffe zerstreut. Dann führte man uns, wiederum unter stärkster Bedeckung, in den Hof eines Grundstücks auf der linken Seite der Frankfurter Straße, kurz vor der Bahnüberführung. Hier mußten wir drei - es war ganz schön frisch - uns platt auf den Boden setzen. Unsere Bewacher stellten sich im Halbkreis vor bzw. um uns auf. Sie vertrieben sich und uns die Zeit damit, daß sie Anschlag- und Zielübungen auf uns machten. Da sie nicht ganz nüchtern zu sein schienen, war dieser Zeitvertreib etwas beunruhigend, wenigstens für uns. Im Morgengrauen des 4. April wurde es mir langweilig. Ich wurde dringlich und erreichte es schließlich, daß wir mit dem Jeep in eine Seitenstraße zwischen Oberzwehrener und Rengershäuser Straße gefahren wurden. In einem kleinen Einfamilienhaus empfing uns ein amerikanischer Kapitän. Er sprach ein akzentfreies Deutsch fließend. Aus den Telefongesprächen, die er in meiner Gegenwart führte, schloß ich, daß er eine Art von Abwehroffizier war, der Kriegsgefangenenangelegenheiten bearbeitete. Ihm konnte ich endlich den Zweck meines Kommens klar machen. Schon nach kurzer Zeit fur jetzt ein Jeep vor. Ihm entstieg ein amerikansicher General und sein Adjutant. Der General sah glänzend aus, sprach aber nicht Deutsch. Aber ich biß auf Granit. Der Amerikaner war höflich, aber nicht zu bereden. Er ließ mich durch den dolmetschenden Kapitän bitten, meinem Kommandeur seine Anerkennung der tapferen Haltung unserer Soldaten zu übermitteln. Aber eine Waffenruhe zum Abzug entweder der Besatzung oder der Zivilisten könne er nicht bewilligen. Entweder würde kapituliert oder weiter gekämpft. Ich glaube unter diesen Umständen meinen Auftrag wenigstens sinngemäß auszuführen, wenn ich mich für das erste entschied. Der, der das zerbombte Kassel und seine verängstigte Bevölkerung damals nicht erlebt hat, möge mich verurteilen.

Nachdem nun eine Einigung erzielt war, hielt ich es für angebracht, unsere Ausplünderung zu erwähnen. Ich hatte die Genugtuung, daß sofort ein Offzier mit mir losgeschickt wurde, der diesen Fall klären sollte. Obwohl ich ebensowenig englisch verstand, wie der mich begleitende, sehr sympatisch wirkende Filmstar in Uniform, Deutsch, gelang es ihm in kürzester Zeit, meine Uhr herbeizuzaubern. Die meiner Begleiter dagegen blieben verschwunden.

Auf der Weiterfahrt führte mich der Offizier - offenbar nicht ohne Absicht - an der zum Einsatz aufgefahrenen amerikanischen Artillerie vorbei. Mir gingen die Augen über, als ich hier, etwa im Raum des Verpflegungsamtes (des jetzigen Magazinhofes) Geschütz dicht an Geschütz, schwerere, mittlere und leichte Kaliber aufgefahren sah. bei einer Feuereröffnung wäre wohl von Kassel nichts mehr übrig geblieben - und es stand ohnehin nicht mehr übertrieben viel. In der Crede´schen Villa (ich glaube, sie war es) fanden wir eine große Zahl von amerikanischen Offizieren vor. Die verhältnismäßig einfachen Vereinbarungen wurden festgelegt. Dann wurde ich wieder in die Nähe der Kampflinien gefahren. Zwei Kompanieführer, deren Infanteristen zwischen Landaustraße und Karlsaue gegen die Frankfurter Straße vorgedrungen waren und mit unseren Schützen auf und am Weinberg plänkelten, nahmen sich meiner an. Wir krochen und kletterten durch Keller und Waschküchen, über Höfe und Bleichplätze. Aus einer verlassenen Wohnung "requirierten" wir einen Spazierstock und ein Frottiertuch. Damit wurde eine weiße Fahne improvisiert. Dann schlichen wir uns um die Ecke der Frankfurter Straße / An der Karlsaue. Die beiden Amerikaner klopften mir kräftig auf die Schulter und ließen ihre Schützen "stopfen". Während wir nun auf dieser Seite das Feuer für kurze Zeit schwieg, flitzte ich mit geschwungener Fahne auf unsere Barrikade los. Die verdutzten Posten begrüßten mich trotz meiner deutschen Uniform mit Schüssen, die indes zu meiner freudigen Überraschung fehl gingen. Dann meldete ich das Ergebnis meiner Sendung und stand bereits eine Stunde später auf der Ladefläche eines LKW, der mich in die Gefangenschaft trug.