Die Entwicklung zum Wohngebiet


Blick vom Felsenkeller (1835) über die Frankfurter Landstraße nach Niederzwehren. Vorn die "Herrschaftliche Meierei" anschließend der Aueweg nach Wehlheiden und in der Bildmitte die Pappelallee (Ludwig-Mond-Straße). Schon zu landgräflichen Zeiten war der Weinberghang terrassiert und mit Sandsteinmauern befestigt. Der Plan der "Gegend von Kassel" wurde auf höchstem Befehl seiner Hoheit des Kurprinzen und Mitregenten unter der Leitung des kurfürstlichen Generalstabes im Jahre 1835 bis 1840 aufgenommen. Ab 1825 wurden Eiskeller in den Berg getrieben. Das Foto zeigt die Besrbgeitungsrinne für Eis und Fässer.

 

Das Winzerdorf "Weingarten"

Nahe bei Kassel am Fuße des Weinberges lag das Dorf "Weingarten" am damaligen Flüßchen Uhlenbache etwa zwischen Philosophenweg und heutiger Frankfurter Straße. 1318 wird eine Mühle in "Weingarten" erwähnt, als treibende Kraft diente die Drusel. Die Bewohner waren wahrscheinlich Winzer, betrieben Weinbau und Landwirtschaft. Das Dorf wurde 1274 urkundlich erwähnt. 1339 wird eine Wiese zwischen "Twern et Wingarde" als zu Weingarten gehörend bezeichnet, und 1342 wird auch die Aue als Feldmark zu Weingarten gehörend genannt. Das Dorf "Weingarten" wurde allen Anschein nach während der Belagerung der Stadt durch die Truppen des Erzbischofs von Mainz und dessen Verbündeten 1385 verwüstet. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gebiet zwischen Weinberg und Niederzwehren, Wehlheiden und Fulda landwirtschaftliche Nutz- und Weidefläche und für gärtnerische Anlagen genutzt. Die "kleine Schleifmühle" erwähnt Hochapfel 1891, am westlichen Ende des Philosophenwegs sei "eine alte Schleifmühle mit erst vor einigen Jahren zugeworfenen Mühlenteich, der sein Wasser vom Habichtswald erhielt und dessen Gerinne eine oberschlichtige Mühle trieb".  


Bebauung am Wilhelmshöher Platz / Allee

Während der französischen  Besatzungszeit beginnt die Bebauung (1804) um den Wilhelmshöher Platz (vorher Rondell) und anschließend in der Wilhelmshöhe Allee. S.L. du Ry hat die Planung für das Tor schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts vorgelegt und später sogar ein Triumpfbogen für das Wilhelmshöher Tor vorgesehen, der an die Erhebung Hessens zum Kurfürstentum 1803 erinnern sollte. Zur Ausführung kamen die beiden Wachthäuser, in dem nördlichen wohnte Jacob Grimm mit Familie. Ein Schwager du Rys, Philipp Kopp, bezog das Haus Nr.5, daneben NR. 4 eine Hauszeile, die sich bis zur Weinbergstraße und Obere Karlsstraße erstreckte. Das Herrschaftshaus  wurde für den Bischof von Hildesheim und Freiherrn von Lünnick, Fürstbischof von Corvey, der von König Jerome zum Erzbischof von Westfalen mit Sitz in Cassel ausersehen war. Nach Wiederherstellung des Kurfürstentums 1813 an Christian Arnold, Papiertapetenfabrik in Erbleihe gegeben, die erste in Deutschland wurde von der Wildemanngasse hierher verlegt. Großes Haus mit Nebenflügel zur Friedrichstraße und Einfahrt zum Wirtschaftsgebäude an der  Oberen Karlsstraße. Bei Besuchen in Kassel wohnte hier auch ein Freund der Söhne Arnolds Adolf Menzel hier und schuf manche Zeichnungen über Kassel und Wilhelmshöhe, Motive aus Kassel sind hier entstanden.




Vor dem Wilhelmshöher Tor  – die Gartenanlagen der Oberschicht

Gleich hinter dem Wilhelmshöher Tor lagen die Grundstücke der Geschwister Causid in Nr. 1, die aufstehenden kleinen Häuser sind nach dem Bau der Humboldtstraße abgerissen worden. Nr. 3 war eine Gartenanlage mit einem Gartenhaus in Form eines Tempels, 1841 war die Eigentümerin die Gräfin von Schaumburg (auch als Humboldtstraße 10 bezeichnet), untergegangen. Das Haus Nr. 9, Gartenhaus, gehörte Staatsrat Wöhler, später einer Witwe Engelhardt. Haus Nr. 10 der Wilhelmshöher Allee. Haus Nr. 12 war ein zweigeschossiges Fachwerkhaus, verputzt. Haus Nr. 17 wurde vom Maurermeister Christian Schön 1804 erbaut, 1817 von Emilie Örtlöpp gekauft, der späteren Gräfin Reichenbach, 1832 von Kommerzienrat Georg Pfeiffer erworben.


Sommerhaus der Gräfin Hessenstein                        Wilhelmshöher Allee 62

Haus Nr. 19, früher Badehaus der Gräfin Reichenbach, Eigentümer Dr. Ludwig Pfeiffer. Grundstück früher zum Nachbarhaus 17 gehörend, Gartenhaus, klassizistische Ausführung.
Das Haus Nr. 20, Gartensaal bis zur Ulmenstraße, früher Bildersaal Botinellis am Steinweg. An seiner Stelle moderne Glasveranda. Es folgt die Nr. 24, früher Wohnung des französischen Gesandten mit Gartentor an der Straße.


Haus Nr. 29 und 291/2 Gartenhaus, Eigentümer 1827 Generalleutnant Moritz von Müller, dann dessen Schwester Caroline und 1836 Major Wetzel, untergegangen. Regentenhaus: Der Garten war nach einer Idee des Generals von Müller angelegt und eingerichtet, ein kleiner Hügel war von einem bunten chinesischen Schirmdach mit vielen Metallglocken überdeckt und mit einem Drahtzug konnte man alle Glocken zum Läuten bringen. Eine hohe Schaukel mit der Aufschrift Plaisir innocent diente den jungen Leuten zur Unterhaltung. Und auf einem Beet mit vielerlei Rosensorten stand auf einer zierlichen Tafel in deutscher Übersetzung der angebliche Ausspruch eines Gärtners in Bagdad aus dem Jahre 1000: „Die Rose stets den Thron behauptet-   Und ihrer Herrschaft wanket nie- Es sind die Blumen ihrer Völker- Der Blumen Königin ist sie!“
In Nr. 32 war früher die Oberzolldirektion untergebracht, Nr. 45 war seit 1796 Geh. Regierungsrat Steinbach Eigentümer. Die Wohngebäude waren nicht so auffallend, aber die Lage derselben und der ausgebreitete Garten mit seinen sanft sich erhebenden Anhöhen waren eine Augenweide und gewährten herrliche Aussichten, wobei Natur- und Kunstschönheiten sich abwechselten.
Schließlich folgt das Haus Nr. 62, Ecke Murhardstraße und Wilhelm Platz (Rathenau Platz),
ein klassizistisches Gebäude mit Garten im englischen Stil, Eigentümer waren früher die Gebrüder Murhard, bevor es an die Stadt fiel und gegen das Grundstück zum Bau der Bibliothek eingetauscht wurde.

Wilhelmshöher Allee 27                                                                         Wilhelmshöher Allee 13

Das Gartenhaus der Gräfin Hessenstein  in der späteren Humboldtstraße 10.
Eine Bauschöpfung von Johann Conrad Bromeis, der als Hofbaumeister die Gartenhäuser und Villen in den Gärten der  Wilhelmshöher Allee Anfang des 19. Jahrhunderts gestaltete.  Im ersten Drittel des 19. Jh. wurde der Ausbau der vorderen Wilhelmshöher Allee begonnen. Ausgehend von den kurfürstlichen Gärten an der Allee entstanden zahlreiche Privathäuser, zumeist Garten- und Landhäuser mit vornehmen ruhigen Fronten und schönen Gartenanlagen, zuerst als Sommersitz, später ausgebaut zu Villen und Wohnschlössern. Das Badehaus der Gräfin Reichenbach, Favoritin des Kurprinzen Wilhelm, Wilhelmshöher Allee 17 und 19, gehörte ebenfalls zur Kundschaft Bromeis, der auch im Park des Grundstückes ein Badehaus im Klassizistischen Stil errichtete.  1817 ging schon das Haus an der Wilhelmshöher Allee 17, Bauherr Architekt Christian Schön, an die schöne Gräfin. 1832 erwarb Kommerzienrat Georg Pfeiffer die beiden Grundstücke. Ein Volltreffen vernichtete das Biedermeier-Idyll.

Der Neubau des Verwaltungsgebäudes  der Gauleitung an der Humboldtstraße 10/ Wilhelmshöher Allee 9, lenkte den Blick der Denkmalpflege auf das gut erhaltene Gartenhäuschen und es bot sich die Gelegenheit es abzureißen und neben dem Direktorwohnhaus, heute Humboldtstraße 1a, wieder zu errichten. Dadurch bekommt der Fürstengarten eine stimmungsvolle Belebung.  Was die Bromeissche Epoche auszeichnet, ist bis 1830 der durchgeführte Ausbau der vorderen Wilhelmshöher Allee. Ausgehend von den kurfürstlichen Gärten entstanden zahlreiche Privathäuser, zumeist Garten- und Landhäuser mit vornehmen ruhigen Fronten und schönen Gartenanlagen. Die Wilhelmshöher Allee sollte  der Sitz des höfischen Adels und des zu Wohlstand gelangten Bürgertums werden. Die Gräfin von Hessenstein bewohnte hauptsächlich den zweiten Stock des Bellevue-Schlosses an der Schönen Aussicht und benutzte das Gartenhaus als Sommersitz. (Kasseler Post 1937).


Das Frankfurter Tor 

 1704 lies Landgraf Karl  ein gewaltiges Stadttor  vor der Oberen Neustadt errichten, das damsal noch "Weinberger-Tor" genannt wurde. Eine Sandsteinplatte wurde zur Erinnerung eingelassen.
     (Übersetzung des lateinischen Textes)
    "Unter dem Schutz des dreieinigen,allergütigsten und allmächtigen Gottes errichtete
       der  edle Landgraf Carl von Hessen dieses Festungstor und weihte es der Mit-    
       und Nachwelt im Jahre 1704 der christlichen Zeitrechnung."
Landgraf Friedrich II. lies 1765 den steilen Weg den Weinberg hinunter  ein wenig abtragen und durch eine Krümmung bequemer befahrbar machen. Unter Landgraf Wilhelm IX, der spätere erste Kurfürst, lies das Weinberger Tor abreißen und verlegte es, wesentlich verändert als nunmehr "Frankfurter Tor", zur  Friedrichstraße (1803). Wieder wurde das Straßenniveau gesenkt. Es entstand ein tiefer, heute  noch vorhandener Einschnitt. 1866 fielen die Mittelpfeiler des Frankfurter Tores und 1880 wurde es ganz abgerissen.  Die Henschelvilla auf dem Weinberg sollte eine Verbindung zur Bellevue haben und so plante Henschel eine Eisenbrücke. 1873 entstand jedoch nach Plänen der Stadt eine    
steinerne Brücke mit nur einen großen Bogen. Als Henschel dann seine zweite große Villa baute, das "Haus Henschel",  mußte er als Bauauflage auch die Stützmauern (1903) errichten.
Ein zweiter Brückenbogen für den Passantenweg
Nach dem I. Weltkrieg zweigte man einen Geländestreifen der Aue ab  und baute völlig getrennt vom Fahrverkehr, parallel zur Straße den Fußweg  zum Weinberg hinaus, die im Volksmund   "Beamtenlaufbahn" genannt wurde,
weil viele Beamte im Südviertel wohnten.  Die Weinbergbrücke erhielt einen zweiten Bogen  für den Passantenverkehr, 1926 war alles vollendet.

Auf dem Weinberg - Vor dem Frankfurter Tor

Am 1. April 1888 konnten die Schwestern der Hildesheimer Vinzentinerinnen ein eigenes Schwesternheim am Weinberg beziehen. Der Bau erfuhr eine vielseitige Würdigung als gothischer Profanbau, den eine neugothische Kapelle (eingeweiht am 11. Mai 1888) angeschlossen war. Immer mehr Kranke wurden in Krankenhäusern behandelt, so daß ein Neubau eines Krankenhauses erforderlich wurde, das 1899 vollendet wurde, das sich stilgerecht dem älteren Hause anfügte und durch einen Korridor verband. Mit dieser Erweiterung nahm das Elisabeth-Kloster den Namen Elisabeth-Krankenhaus an. Der Bombenangriff am 22. Oktober 1943 wurde auch das Elisabeth-Krankenhaus durch Bomben zerstört und  konnte erst wieder am 1. April 1957 seiner Bestimmung übergeben. Das Krankenhaus wurde ständig erweitert und modernisiert.

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Die dritte Stadterweiterung nach Süden.


Nach der Niederlegung der Festungswerke 1767 konnten Plätze und Straßenzüge im klassizistischen Stil geschaffen werden. Die Plätze hatten immer einen Blickpunkt (Königsplatz, Friedrichs-platz). Das Residenzschloss, Stiftskirche zu St.Martin, die Brüderkirche und das Rathaus zeigen die gotische Periode der Stadt und der Renthof, der Marstall, das Zeughaus aus der Zeit des 16. Jh. und die Oberneustadt mit Karlskirche, das Orangerieschloss und Museum Fridericianum zeigen einen starke Ausdruckskraft der Stadt, welches sicher auch dazu beitrug, das König Jerômé sie als Residenzstadt erwählte. Die Oberneustadt, auch französische Neustadt genannt, war die bedeutenste deutsche Gründungsstätte des Barock. Seit 1685 kamen Hugenotten auf Einladung des Landgrafen Karl nach Kassel.

Aus dieser Zeit sind nur noch wenige Häuser erhalten, so das Schloss Bellevue und wieder hergestellt die Schöne Aussicht Nr. 9. Die Häuser 7 bis 12 (Eckhaus zum Friedrichsplatz) im Barockstil. In Nr. 9 wohnten die Brüder Grimm von 1824 - 26 und in Nr. 7 (Eckhaus zur Georgenstraße, heute Hugenottenstraße)von 1826 bis 1829 und in Nr. 11 der Maler J.H. Tischbein. In der Frankfurter Straße wurden vorwiegend Barockbauten errichtet, Nr. 18 in Rokoko und 28 und 41 klassizistisch. Unterhalb vom Weinberg in Nr. 70 wohnte der Chronist Johann Graßmeder, später Villa Keerl.


Die Oberneustadt - Eine bedeutende Barockstadt (1688-1943)

Die Altstadt, Untere Neustadt und Freiheit umgeben von einem starken Festungsgürtel, bildeten das Stadtinnere mit seinen engen Gassen und Gässchen, wo es eng und gedrängt zu ging. Fast vier Jahrhunderte gab es keine Stadterweiterung. Am Ausgang des 17. Jh. wurde die Obere Neustadt geplant und von Paul du Ry ausgeführt. So entstand die Obere - oder französische Neustadt für die französischen Glaubensflüchtlinge. Der Stadtteil wurde gebildet aus vier Hauptstraßen: Schöne Aussicht, Frankfurter, Karls- und Königsstraße. Sie wurden rechtwinklig durchschnitten von drei Querstraßen: Am Friedrichsplatz, Straße an der französischen Kirche und die Fünffensterstraße. Dieses neue barocke Viertel wurde bald weltbekannt, als einzigartige barocke Stadt. Du Ry selbst baute für sich das erste Eckhaus am Friedrichsplatz, Ecke Frankfurter Straße. Die Grundsteinlegung der Kirche erfolgte am 3. August 1698. Der Friedrichsplatz und das Fridericianum wurden nach Niederlegung des Festungsrings 1768 geschaffen und konnte die Obere Neustadt mit der Altstadt verbinden, wo dann auch der Königsplatz gebaut wurde.


Stadtentwicklung durch Migration (Hugenotten-Ansiedlung)

Die Einwohnerzahl Kassels stieg stetig von 1810 mit 23.068 auf 1861 mit 38. 930 Einwohnern. Seit der Einverleibung zu Preußen entwickelte sich die Einwohnerzahl um mehr als das Doppelte auf 106.034 im Jahre 1900 (mit Eingemeindungen bis 1899). Ein deutliches Zeichen der wachsenden Industrialisierung.

18. April 1685: Mit der „Hessischen Freiheits-Konzession“ lädt Landgraf Karl von Hessen Kassel als erster deutscher Landesfürst französische Glaubensflüchtlinge nach Kassel und Nordhessen ein und sichert allen, die sich hier niederlassen wollen, insbesondere „Handwerker und Manufakturisten“, Glaubensfreiheit und wirtschaftliche Unterstützung zu. In Kassel wurde die Oberneustadt gegründet. Hier zogen die kleineren Handwerker und Manufakturarbeiter ein. Im 18.Jh. fand eine zunehmende Assimilation statt, die sich im Rückgang der französischen Sprache im Alltag und einer Zunahme der Eheschließungen äußerte.


Nach Plänen des Architekten Paul du Ry entsteht außerhalb der Stadtbefestigung eine neuer Stadtteil, die Obere Neustadt. 1706 führt der Physiker Denis Papin auf dem Platz vor dem Ottoneum dem Landgraf Karl seine Dampfmaschine vor1710 wurde die Karlskirche eingeweiht und nach dem Förderer der Glaubensflüchtlinge benannt. 1713 wird der Herkules in vierjähriger Arbeit vom Goldschmiedt Johann Jakob Anthoni im Messinghof gefertigt und am 30. November 1717 auf die Pyramide des Oktagons gesetzt. Ein Wahrzeichen Kassels ist weithin sichtbar. 1714 leben in Kassel 14 570 Menschen.

1688: Vor dem Kleinen Weinberg entsteht die "Französische Neustadt", selbständig bis 1808. Funktionale Baustile wurden prägend für die hessiche Architektur. Das Gebiet umschloss die Bellevue, Karlsstraße, Fünffensterstraße, Esplanade mit Karlskirche als geistlicher udn städtebaulicher Mittelpunkt. 1768 Ausdehnung zur Friedrichstraße bis zur Zollmauer und Wolfsschlucht im Nordosten grenzen der Friedrichs- und Königsplatz an die Freiheit.Vorausgehobene Merkmale sind

- die Einheitlichkeit der Bebauung,

- der Landschaftsbezug in das Fuldatal,

- die Bellevue als Schaufront, durch die Georgenstraße als Mittelachse fällt auch heute noch der Blick auf die Karlskirche (Hugenottenstraße heute).

1710: Frankfurter Straße , Teile der Georgenstraße, Bellevue und Front zum Friedrichsplatz bebaut.

1720: Königsstraße fertig bebaut..

1730: Bellevue bebaut.

1767: Opern,- Freidrichs,-Königsplatz stellt bauliche Verbindung zur Kerntadt (Altstadt-Freiheit) her. Kassel von eienr Stadtmauer mit Stadttoren umgeben. Messhaus errichtet.

Zwischen Friedrichsstraße und Fünffensterstraße und Garde du Corps Kaserne liegt dein Park, die Elysäischen Felder.Ab 1804 bebaut, damit ist die Oberneustadtbebauung

abgeschlossen.

1904-1909: Eingriff in das Stadtgefüge durch den Rathausbau, anstelle von Messplatz.


Weitere Maßnahmen zur Entwicklung

1726: erste Schulpflicht in Hessen und Kassel,

1742: Kleine Fulda wird trocken gelegt, Auedamm aufgeschüttet,

1748; 1055 Straßenlaternen aufgestellt, die auch Goethe beeindruckten.

1767: zu langsame Bebauung der Königsstraße beklagt, am 21. Dez. Stadtbefestigung wird nieder gerissen, Arbeiten dauern bis 1790.

1777: Der Geschütz- und Glockengießergeselle Georg Christian Henschel (1750-1835) findet Arbeit in Kassel

1779: Museum Fridericianum eröffnet, das erste öffentlich zugängige Museum.

Armutsbericht von Professor Georg Forster

Er schreibt an einen Freund:“Es ist kein Ort auf der runden Erde, der soviel Armuth und splendida miseria in sich fasst als Cassel. Alles bis zum Obristen und Oberappelationsgerichts Räthen stirbt hier bettelarm, hinterlässt Schulden, und Witwen und Kinder im äussersten Elend. Außer der sogenannten preussischen Clique im Ministerio. und den Herren Adjudanten, imgleichen ein paar nothdürftigen dienstbaren Geistern, jener Clique, und dem Hofagenten Feydel,- der ein Jude ist - hat hier kein Mensch Geld, sondern alles leidet Noth, im wörtlichen Verstande.“

1882: Kaufhallen am Marställer Platz werden fertig gestellt. Unter den Pächtern sind:Krämer, Schuhmacher, Blechschmiede, Drechsler, Bäcker, Konditoren und andere Gewerbetreibende.


Kleine Chronik

1784: Am 3. Mai wird die Charitè vor dem Leipziger Tor eröffnet.

1789: In Kassel leben 18 450 Menschen. Johann Christian Arnold gründet in der Brüderstraße die erste deutsche Tapetenfabrik von Bedeutung-

1792: Die Kattunfabrik im Agathof arbeitet mit 300 Arbeitern erfolgreich.

1793: Der holländische Tabakfabrikant ( Thorbecke wenige Jahre zuvor gründete er die erste Tabakfabrik in Kassel) pachtet vom Staat das Gut Schönfeld

1794: die neue Fuldabrücke ist fertig.

1796: Der Stückgießer Georg Christian Carl Henschel baut das erste deutsche Bleiwalzwerk für die eigene Werkstatt an der Weserstraße. Der dreiflügelige Neubau des fürstlichen Schlosses zu Weißenstein ist fertig gestellt und erhält den Namen Wilhelmshöhe nach dem Erbauer Landgraf WilhelmIX..

1799: Die Firma G. Chr. C. Henschel erwirbt das neben der staatlichen Gießerei gelegene Haus. Die Firma Friedrich Breda am Pferdemarkt beginnt mit der Produktion von Kautabak und Zigaretten und findet guten Absatz.

1801: Die Firma Peter Ruhl begründet einen neuen Industriezweig in Kassel für pharmazeutische Bedarfsartikel.

1806: Kassel wird Residenz Königreich Westfalen

1808: Gewerbefreiheit wird eingeführt, Seifenfabrik Diemar & Heller gegründet

1809: die Zünfte werden aufgelöst. Ihr Vermögen wird Staatseigentum.

1810: G. Chr. C. Henschel wird aus der staatlichen Gießerei ausgewiesen und gründet im Nachbarhaus gründet ein eigenes Unternehmen, das zu Weltruhm gelangen wird.


1813: am 21.Nov. kehrt Kurfürst nach Kassel zurück. Alle unter westfälischer Herrschaft beschlossenen fortschrittlichen Gesetze werden für nichtig erklärt.

1814- 1866: Die Gewerbefreiheit ist aufgehoben und eine neue Zunftordnung wird 1816 erlassen. Handwerk bekommt so seine alte Verfassung wieder. Insgesamt wird Kassel die Industrialisierungswelle erst nach 1866 erfassen und auch die Verwaltungsorganisation von Preußen übernehmen. Damit entscheidet nicht ein Kurfürst über die wichtigsten Belange der Wirtschaft und des Lebens, sondern preußische qualifizierte Beamte, die neunen Schwung in Wirtschaft und Gemeinwesen bringen. 1821 wird der Handels- und Gewerbeverein gegründet, der die Interessen des Handwerks und Gewerbes fördern soll, um auf diese Weise zur Belebung und Erstarkung der vaterländischen Industrie bewirken soll. 1822 wird Karl Schomburg Stadtoberhaupt und wird 1835 der erste Oberbürgermeister Kassels. Sein Ziel ist es eine städtische Sparkasse ins Leben zu rufen.

1823: Der Destillateur Isaak Rosenzweig eröffnet in der Hohentorstraße eine Farben- und Drogenhandlung (Rosenzweig & Baumann).

1825: Großhandel mit Kurz- und Wollwaren, Keimzelle der Buntpapierfabrik Ludwig Bähr KG gegründet.

1830: Wirtschaftliche Lage wird immer schlechter. Oberbürgermeister überreicht dem Kurfürsten eine Bittschrift.

1831: Am 8. Januar erhält Kurhessen eine neue Staatsverfassung. Anschluss an das preußische Zollsystemeröffnet neue Möglichkeiten zur Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen.

1832: im Oberstädter Rathaus eröffnet die städtische Sparkasse ihre Pforten. Höher Gewerbeschule nimmt ihre Arbeit auf Berühmte Chemiker wie Friedrich Wöhler und Wilhelm Bunsen geben hier Unterricht. 1833 wird ein kurhessischer Eisenbahnverein gegründet und 1834 wird der preußisch-deutsche Zollverein ins Leben gerufen. Mit der Gemeindeordnung für die Städte und Landgemeinden in Kurhessen erhält Kassel ein Organ der Selbstverwaltung: Oberbürgermeister, Bürgermeister, Stadtrat und Gemeindeausschuss. Durch das Gemeindefinanzrecht wird eine gesicherte Verwaltung des Gemeindevermögens und ein geregeltes Gemeindesteuerwesen geschaffen, das bis 1898 in kraft war und dann durch die Städteordnung für die Provinz Hessen Nassau abgelöst wurde. 1836 wird das Ständehaus, das Parlamentsgebäude des kurhessischen Staates, eingeweiht. 1837 nimmt die Firma Henschel& Sohn mit 200 Arbeitern ihr neues Werk am Möncheberg in betrieb.

1848 verlangen Gewerbetreibende die Aufhebung aller industriellen Staatsbetriebe und ihrer Überlassung an Privatleute. Ausdruck der Gewerbetreibenden, die Industrialisierung aufzuhalten und die kleinen und mittleren Betriebe Vorrang zugeben. Es entstehen noch einige Handwerksbetriebe und Geschäfte. Die Haltung des Kurfürsten wird deutlich als der Fabrikant Carl Henschel den Antrag stellte, seine Firma in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Dies scheitern an der Industriefeindlichkeit des Kurfürsten. 1861 beschäftigt die Waggonbaufirma Thielemann, Egena und Comp. , vor dem Holländischen Tor, 270 Arbeiter. Bis 1866 werden noch einige Geschäfte und Handwerksbetriebe gegründet.


Preußen übernimmt Kurhessen

Eine Industrialisierungswelle setzte erst nach Übernahme Kurhessen durch Preußen ein. 1867 wurde wieder das Zunftmonopol aufgehoben, das schon Jeromè veranlasst hatte und die Gewerbefreiheit eingeführt. Die Verkündung, dass Kassel und Kurhessen jetzt zum Königreich Preußen gehört, sollte vor allem im Bereich der Wirtschaft große Auswirkungen haben. Das Datum6. Oktober 1866 markiert den Auftakt zur Industrialisierung in Kurhessen und insbesondere für Kassel. 1869: Mit der Gewerbeordnung für den norddeutschen Bund erden Gewerbefreiheit und Freizügigkeit in Kurhessen eingeführt.

Fortsetzung folgt

Dokumentation. Literaturnachweis: u.a. wird noch erstellt, siehe Buch: "Der historische Weinberg" und "Kassel-Südstadt"

Stadtteilgeschichte Kassel Wesertor, IBF, Institut für angewandte Biografie- und Familienforschung Kassel.

beide bei der Bücherei Habel, Hugendubel erhältlich oder beim Autor bestellen.

Fotos: Archiv Kossin, Hans Witzel, Heinz Körner...