Der historische Weinberg -

Die südliche Stadtentwicklung

Der Plan von 1913 zeigt die Stadtentwicklung und Planung (Auefeld+Frankfurter Straße). Die Firma Henshcel beeinflußte die Bebauung auf dem Weinberg für den Mittelstand und Adel.

Kassel war viele Jahrhunderte eine Residenz, das verriet sie auch dadurch, dass ihr , trotzdem die Bürger so eng zusammenlebten, die bürgerlichen Gemeinschaftsleistungen fehlten, die woanders Glanzpunkte im Standbild sind.
Was die Stadt an monumentalen Bauten zeigte, war fürstlicher Herkunft. Diese Bewohner sind zuerst Untertanen des Fürsten und dann erst Bürger einer Gemeinde. Der Begründer des neuen Kassels wurde in 53 jähriger Regierungszeit Landgraf Karl, der Begründer der Oberen Neustadt, dem Schöpfer der Aue und des Bergparks der Wilhelmshöhe mit den Kaskaden und Riesenschloss und Herkules. Wer das neue Kassel begreifen will, muss über die Festungswälle hinaus in die freie Weite der Gärten und frühen Weinberge sich bewegen.
Im 14. Jahrhundert wurde von Heinrich II die Altstadt um die Freiheit erweitert. Landgraf Karl schuf um die Wende des 17Jhs die Oberneustadt. Die städtebauliche Wirksamkeit konnte man sich an der Schönen Aussicht vergegenwärtigen, denn die Oberneustadt wie der weitläufige bis zum Fluss sich erstreckende Fürstengarten der Aue, war das Werk Landgraf Karls.
Von den Anfängen an, hatte jede Stadterweiterung ihr Straßengefüge um einen Platz geordnet:
-Die erste Marktsiedlung um den Altmarkt,
-die eigentliche Altstadt um den Marställer Platz,
-die Unterneustadt um  den Holzmarkt,
-die Freiheit um den Martinsplatz und
-die Oberneustadt um den Karlsplatz.


Die Stadtpläne (vorige Kapitel) von 1757 und von Selig aus dem Jahre 1781 machen die Entwicklung deutlich. Seligs Stadtplan von 1781, 25 Jahre später gezeichnet, lässt erkennen wie inzwischen alles zu einem großartigen Miteinander verwandelt worden ist. Der sechseckig Stern der Festung ist verschwunden, offen liegt die erweiterte Stadt in ihrem Umland. Durch Abtragen der Wälle und Auffüllung der Gräben ist der Friedrichsplatz geworden. Die Obere Neustadt und besonders die Bellevue wurde zur Wohnstraße auch für die  Söhne des Landgrafen. Eine Straße die sich über der Aue erhebt, als Empore über das Grün der Aue. Hier begegnet sich die Stadt mit der Landschaft. Als Landgraf Friedrich II. im Jahre 1785 starb war die gewaltige Parkanlage seines Großvaters immer noch größer als die neue, nun nicht mehr der Verteidigung, sondern nur noch der Verkehrs- und Abgabenordnung dienende Stadtmauer umschloss.


An die Stadt wurde erweitert von der Schönen Aussicht, Friedrichstraße, Wolfsschlucht, Königsplatz, Hohetorstraße. Die Stadt ist jetzt 1781 um das doppelte gewachsen.
Fürstlichen Ursprungs sind auch die Gartenanlagen am Aueabhang, darunter der 1926 zum Ehrenmal umgestaltete Terrassengarten unter dem Palais des Prinzen Georg. Die Stadt entfernt sich vom Fluss. Sie strebt nach den westlichen Randbergen des weiten Talbeckens.
1777: Die Weißensteiner, später Wilhelmshöher Allee entsteht mit Anschluss an die Königsstraße. 1778 beginnt ihre Bebauung. Die Stadt beginnt nach Westen zu wachsen.
1756-1763 : Der Siebenjährige Krieg, Besetzung Kassels
1764-1778: Weinberg soll wieder genutzt werden
1776-1778: Wein wird angebaut, Maulbeerplantage wird in Höhe des
                    Fürstengartens angelegt.
1778 : Der Fürstengarten entsteht- Vorzeigegarten, später Wittichs Garten
1778 : Plan zum Verkauf des Weinbergareals, einschließlich  des
      Schanzengeländes (Fürstengarten)
1778-186oer Jahre : Gärten und Felsenkeller (Lokale von 1825-1901)
          auf und im Weinberg, zum Beispiel Schellhases Garten vor den Felsenkellern
          und Gärten vor dem Wilhelmshöher Tor bis zur Höhe des Weinbergs.
1851 : Villa Sievers (Höhe Sepulkralkulturmuseum), Besitzer Engel-Apotheke
1866: Sechs Jahrhunderte lang war Kassel fürstliche Residenz, jetzt ging sie im
          Königreich Preußen auf. Nicht ein Fürst bestimmte jetzt, sondern königliche
          preußische Beamte. Regierungssitz ist Kassel geblieben. Der Aufstieg der
          Stadt begann
1869 :  Villa Henschel wird gebaut
1870er Jahre : Weinbergstraßen werden erschlossen – ein Villenviertel entsteht
1887: HEINES Biergarten wird von Henschel aufgekauft, Terrassenanlage entsteht
1899 : Letzter Felsenkeller von Eissengarthen geht an Henschel
1901 : ENDE DES BIERAUSSCHANKS
1902 : Henschels erwerben das Grundstück Sievers
           Die ehemalige Villa Sievers wird abgerissen, Henschel baut hier eine    
           Remise und ein Bedienstetenhaus mit zwei Wohnungen für Kutscher.
           (heute Sepulkralkulturmuseum), gleichzeitig wird der Park vor den Villen 
            angelegt, die Stützmauern errichtet, Park wird ausgebaut, Fürstengarten
           neu gestaltet, da die Weinbergstraße nach Norden verlegt werden muss.
           Das Gewächshaus und die Brunnenanlage vor der ersten Villa entstehen.
1903 :  wird die Villa, das große repräsentative HAUS HENSCHEL ist bezugsfertig          
1907 : Remisengebäude 1907 fertig gestellt.
1931 : Haus Henschel wird wegen der Hauszinssteuer abgrissen und Teile daraus
           verkauft.
1941 : ehemalige Eiskeller werden zu Luftschutzbunkern ausgebaut.
1942 : fertig gestellt.
1943 : Das ehemalige Weinberggebiet versinkt in Schutt und Asche.

Stadterweiterung - Stadtentwicklung (913 -2013)

Im 4. Jh. v. Chr. siedelten Kelten im Bereich der heutigen Altstadt/Wesertor, abschließend germanische Chatten als Vorfahren der Hessen. Zu Beginn des Mittelalters schlossen sich diese Stämme den fränkischen Stämmen an und wurden durch die Missionare Winfried Bonifatius und dessen Schüler Sturmius von Fulda missioniert. Das Ende der Missionierung fiel in der Zeit der Sachsenkriege Karls des Großen. Durch den ersten Feldzug wurden viele sächsischen Adelige in Wolfsanger, Wesertor sesshaft. In Wolfsanger entstand eine fränkisch- sächsische Doppelsiedlung mit ihrer alten fränkischen Taufkirche, die Johannes dem Täufer geweiht wurde. Am Altmarkt entstand en fränkischer Adelshof nach sächsischer Art (Chassalla), von der eine Furt und die Fernstraßenkreuzung kontrolliert wurden. An der Stelle floss damals auch die Ahna in die Fulda (Karlshospital), wo sich auch eine erste große Siedlung aufbauen konnte. Der Adelshof war 913 im Besitz des deutschen Königs Konrad, Herzog von Franken. Nach 939 gehörte Chassalla den Herzögen von Sachsen. 1008 Eigentum der Kaiserpfalz Heinrich II. in Kaufungen. Die Siedlung an der Ahna unterstand damals dem Gaugrafen Friedrich von Luxemburg, einem Bruder der Kaiserin Kunigunde. 1143 wurde die Siedlung befestigt und Graf Heinrich Raspe II baute mit seiner Mutter Hedwig 1148 ein Stift, um ihre Ansprüche im Kasseler Becken zu festigen. Zu dem Männer - und Frauenstift gehörten von Anfang an auf dem nahen Möncheberg ein Gut, der spätere Fasanenhof. 1189 besaß Chassalla das Stadtrecht und eine Marktkirche. 1264 wurden die zwei hessischen Gaue zur Landgrafschaft Hessen erhoben, sowie das Herzogtum Brabant. Der Reichsfürst Heinrich wurde der erste Landgraf von Hessen und 1277 verlegte er seinen Sitz von Gudensberg nach Chassalla und bestimmte die Stadt zur Hauptresidenz des Landes.

1298 wurde die Alte Brüderkirche gebaut, 1304 der Altar der Hl. Maria geweiht, 1331 der Chor und 1376 das Hauptschiff vollendet. Auf dem Gelände des Marstalls entstand die neue Stadtkirche St. Cyriakus. So gab es jetzt einen Markt, dem Rathaus, dem Ahaberger Kloster und dem Karmeliterkloster eine neue Stadtkirche. Es gab eine Kaufmannsgilde und einige Handwerkszünfte. Ab 1330 brachen die Einwohner der Dörfer Rimedehusen und Mühlhusen ihre Häuser ab und bauten eine neue Stadt westlich , die Freiheit genannt wurde. Im Zentrum stand die Kirche St. Martin. 1512 verband eine erste Steinbrücke die Altstadt mit der Neustadt (Unterneustadt). 1523 wurden Gräben ausgehoben und Festungswerke gebaut. 1526 wurde die Reformation in Hessen eingeführt und die Klöster aufgelöst. Die Altstädter Gemeinde übernahm die Klosterkirche der Karmeliten St. Marien übernehmen und nannte sie Brüderkirche.

Auf den ehemaligen Festungswerken entstanden große Kasernenanlagen wie die Hohetor-Kaserne am heutigen Stern, die Artilleriekaserne am Wesertor, die Schützenkaserne am Schützenplatz und die Kriegsschule am Holländischen Tor. Die Kasernen sind heute verschwunden. Reste der Festung im Bereich der Fulda und Ahna noch zu sehen. Dazu gehören auch die Reste der Hohetor Kaserne an der Schäfergasse und das Zeughaus der Artilleriekaserne.

1685-1710: Französische Glaubensflüchtlinge werden in der Altstadt aufgenommen und die Brüderkirche wird für Gottesdienst der Französischen Gemeinde genutzt. 1866 wurde die Französischen Gemeinde der Altstadt mit der Altstädter Gemeinde verschmolzen. Noch heute ist sich die Ev. Kirchengemeinde ihrer französischen Geschichte bewusst.

Die Unterneustadt


Gegründet wurde die U. von Heinrich I. Der um 1277 auch die Kasseler Burg erneuern ließ und so Kassel als politisches Zentrum Niederhessens stärkte. Ein historischer Stadtteil im Ostbezirk der Stadt seit dem Ende des 13. Jh. zwischen Fulda, Christophstraße, Wallstraße und Unterneustädter Kirchplatz. Auch heute gibt es noch landwirtschaftliche Flächen, aber der Stadtteil ist ein Gewerbestandort geworden: Gaswerk 1894 - 1967 an der Eisenacher Straße; 1895 wurde der Hafen eröffnet, 1977 geschlossen, seither Jachthafen in der Nähe der Herkulesbrauerei ab 1897, 1964 - 99 Binding. Die Kasseler Vergnügungsmesse fand seit 1866 auf den Leisterschen Wiesen statt, seit 1950 auf einem mittelalterlichen Areal vor der Fulda bis dieses 1997 mit modernen Häusern und Wohnungen bebaut wurde, ging der Vergnügungspark zur Schwanenwiese. Die U. liegt im Überschwemmungsgebiet der Fulda, wo es immer wieder zu Überschwemmungen kommt.. Hochwassermarken befinden sich an der Unterneustädter Mühle. U. war eigenständig mit eigenem Stadtrat, Bürgermeister und Stadtsiegel und Rathaus bis sich 1378 Altstadt (untere) Neustadt und Freiheit zusammenschlossen. Die U. wurde mit Kirchhof in der Mitte, Holzmarkt und die Uferlinie verlief entlang der Christophstraße und parallel zur Mühlengasse; an der Bäderstraße ist ein kleiner Uferplatz als Anlegestelle zu erschließen. 1361 wurde ein Süsterhaus von Kasseler Bürgern an der Bädergasse 7gestiftet und 1662 in die Christophstraße verlegt. Das Stadttor verlegte man 1585 zum Kirchhof und die Uferlinie wurde nach und nach in den Fluss gerückt und mit einer Mauer versehen, die ständig ergänzt wurde. 1690 entstand ein Waisenhaus und 1763 mit einem Findelhaus ergänzt. Ein Spinnhaus (Besserungshaus für Frauen) entstand 1747-51 am Nordende der Mühlengasse. Nach Schleifung der Festungswerke entstand der Leipzier Platz (Unter Neustädter Kirchplatz) mit dem Leipziger Tor. Auf der Südseite stand die Hofbuchdruckerei (1771) an der Nordseite der Torwache, dahinter ein Untersuchungsgefängnis 1772/73. An der Westseite wurde 1777/78 die Anatomie gebaut. Die Deutsche Schule zog 1775 in das ehemalige Rathaus, später kam sie in die Leipziger Straße. 1788/94 verlegte man die Fuldabrücke in die Achse zwischen Altmarkt und Leipziger Straße, dabei brach man die Kirche und die Häuserzeile mit fadem alten Rathaus zwischen Mühlengasse und Kirchhof ab. Die neue Unterneustädter Kirche wurde ab 1802 auf dem Leipziger Platz errichtet.


- Unterneustädter Mühle 1538-45 von 1332 bezeugt und 1912 abgebrochen.

- Kastell

- Jägerhaus 1362

Am Unterneustädter Kirchplatz befindet sich der Neubau des Unersuchungsgefängnisses 1874-76, unter Einbeziehung

der Torwache und die Grundschule 1893/94 als Bürgerschule

Bürgerhäuser - Mühlengasse 32 von 1553,

Pfarrhaus und Kaplanei Waisenhaussstraße 18 - 20 von 1601,

Bettenhäuser Str. 16 und 18 (beide 17. Jh. )

Mühlengasse 27 v. 1685 und An der Fuldabrücke 6 -8 nach 1788.

An der Losse und am Altarm der Fulda standen mehrere Mühlen. Um 1364 wurde an d er späteren Leipzier Straße der Siechenhof als Aussätzigenspital gegründet und löste das Elisabeth-Hospital ab. In der Leipziger Straße lag auch eine Richtstätte mit Galgen (östl. der Söhrestraße), die 1771 an den Lindenberg verlegt wurde. Vor der Stadt an der Fulda lag das älteste Salzhaus( frühes 16. Jh.). Zwischen Siechenhof und Ölmühlenweg entstand im 18. Jh. die Leipziger Vorstadt. Herrschaftl. Einrichtungen waren das Dielenmagazin (Jahnstraße 41, der landgräflichen Gondelhafen, zwischen heutiger Sternstraße und Fulda, die einfahrt an der Fulda noch erkennbar) und die Maulbeerplantage. Nach 1866 entstanden kleinere Häuser im Umfeld der Stadt, erhalten Sternstraße 19. Ab den 1880 Jahren wurde das angrenzende Garten- und Wiesengelände im S. und N. als Baugelände erschlossen. Es entstanden die Wohnhäuser des Beamten- Wohnungs-Vereins an der Blücherstraße und die Bebauung bis zur Hafenbrücke.

- Unterneustädter Kirche

           - Unterneustädter Mühle

Di e Brücke über die Fulda war Voraussetzung, dass sich grstand eine neueBrücke mit oße Handelsstraßen kreuzen konnte. Zuerst 1336 als Holzkonstruktion. Im 14. Jh entstand eine Brücke mit Aufbauten. Zwischen 1509 - 12 wurde dann eine Steinbrücke gebaut.Die vieerbogige Brücke verband die Altstand (Fuldagasse) mit der Leipziger Straße (später Bettenhäuser Straße)- Auf den Pfeilern daßen kleinere Häuser, die als Garküchen für Durchreisende, Verkaufslänbe rund Wachstuben dienten. Der große Mittebau war Kapelle und Wohnung für Bedienste des Hofes. 1788 wurde die Steinbrücke abgerissen


Die Freiheit

Im Jahre 1330 schritt der hessische Landgraf Heinrich II zu einer planmäßigen, großzügig ausgedachten Erweiterung Kassels, in dem er der Altstadt in einem weiten Bogen nach Westen und Norden eine dritte Stadt vorlagerte: die Freiheit. Die Straße, Graben, bildet, im weiten Bogen sich vom Schloss zum Breuel (vor dem Brink) hinziehend, die Stadtgrenze der Altstadt. Vom Zwehrener Tor beim Schloss führte die Landstraße, die gepflastert war und von alters her Steinweg hieß, am Elisabeth-Hospital vorbei auf den Weinberg und weiter und entgegengesetzt die Stadt zum Brink durchquerte mittels der Hennen- und Heidengasse (Hegengasse) der späteren Wildemannsgasse. Es galt die Altstadt mit der Neustadt zu verbinden, in dem man auf dem äußeren Grabenrand eine Hauptstraße konzentrisch zur Grenze der Altstadt anlegte, den Graben. Der Teil vom Graben bis zur Oberen Gasse bildet die Oberbürgschaft. Nördlich vom Martinsplatz dehnte sich die Niederbürgschaft aus. In diese zwei Stadtteile zerfiel die Freiheit. Der Grund war die Herkunft der neuen Stadtbürger aus den verschiedenen in der Nähe liegenden Dörfern, die ihre besonderen Eigenheiten mit in diesen neuen Stadtteil brachten. Die Dörfer, die aufgegeben wurden waren Mühlhausen und Rimundes, später Rimedehausen nördlich von Kassel, ersteres wohl nach den Mühlen an der Ahna benannt, die Rademühle am Einfluss der Mombach in die Ahna und die Scheibenmühle weiter abwärts lag. Rimedehausen in der Nähe von Rothenditmold ist 1331 zu Beginn des Baus der Freiheit nur noch ein Hof und verschwindet ganz. Welches Dorf die Ober- oder Niederbürgschaft hergab oder den Breul ist nicht bekannt, aber es ist anzunehmen, doch deutet der Name der Mühlhäuser-Gasse (Müllergasse) darauf hin, dass sich hier Mühlhäuser niederließen. Die drei Parallelstraßen der Oberbürgschaft verband man jetzt mit den zueinander wieder parallel laufenden Querstraßen, der Drusel,- Enten- und Ziegengasse ,wobei die erste ihren Namen vom Flüsschen Drusel erhalten hat, das hier durchfloss. Ähnlich planvoll ist die Anlage der Niederbürgschaft, wo man den Brink zum Schnittpunkt zusammenlaufender Straßen machte. Ehr geräumig wurde der fast quadratische Marktplatz, der heutige Martinsplatz, in der Mitte zwischen den beiden Bürgschaften gelegt und mit dem Markt der Altstadt durch die weiter fortgeführte Marktgasse in Verbindung gebracht. Das Zwehrener Tor kam am Ende des Steinwegs neben dem Elisabethhospitals zu stehen. Auf der entgegen gesetzten Seite wurde ein Tor an das ende der Müllergasse gesetzt. Ein Weg, der heutigen Kölnischen Straßen, führte im 16. Jh. zwischen dem Zwehrener Tor und dem Hohe Tor durch das Neue Tor, das an der Garnisonkirche angelegt wurde und wofür die Stadtmauer durchbrochen werden musste. Das letzte Tor, ist das beim Ahnaberger Kloster nach Wolfsanger führende, das anfänglich das Wolfsanger und dann Wesertor genannt wurde.



Die dritte Stadterweiterung nach Süden.


Nach der Niederlegung der Festungswerke 1767 konnten Plätze und Straßenzüge im klassizistischen Stil geschaffen werden. Die Plätze hatten immer einen Blickpunkt (Königsplatz, Friedrichs-platz). Das Residenzschloss, Stiftskirche zu St.Martin, die Brüderkirche und das Rathaus zeigen die gotische Periode der Stadt und der Renthof, der Marstall, das Zeughaus aus der Zeit des 16. Jh. und die Oberneustadt mit Karlskirche, das Orangerieschloss und Museum Fridericianum zeigen einen starke Ausdruckskraft der Stadt, welches sicher auch dazu beitrug, das König Jerômé sie als Residenzstadt erwählte. Die Oberneustadt, auch französische Neustadt genannt, war die bedeutenste deutsche Gründungsstätte des Barock. Seit 1685 kamen Hugenotten auf Einladung des Landgrafen Karl nach Kassel.

Aus dieser Zeit sind nur noch wenige Häuser erhalten, so das Schloss Bellevue und wieder hergestellt die Schöne Aussicht Nr. 9. Die Häuser 7 bis 12 (Eckhaus zum Friedrichsplatz) im Barockstil. In Nr. 9 wohnten die Brüder Grimm von 1824 - 26 und in Nr. 7 (Eckhaus zur Georgenstraße, heute Hugenottenstraße)von 1826 bis 1829 und in Nr. 11 der Maler J.H. Tischbein. In der Frankfurter Straße wurden vorwiegend Barockbauten errichtet, Nr. 18 in Rokoko und 28 und 41 klassizistisch. Unterhalb vom Weinberg in Nr. 70 wohnte der Chronist Johann Graßmeder, später Villa Keerl.


Die Oberneustadt - Eine bedeutende Barockstadt (1688-1943)

Die Altstadt, Untere Neustadt und Freiheit umgeben von einem starken Festungsgürtel, bildeten das Stadtinnere mit seinen engen Gassen und Gässchen, wo es eng und gedrängt zu ging. Fast vier Jahrhunderte gab es keine Stadterweiterung. Am Ausgang des 17. Jh. wurde die Obere Neustadt geplant und von Paul du Ry ausgeführt. So entstand die Obere - oder französische Neustadt für die französischen Glaubensflüchtlinge. Der Stadtteil wurde gebildet aus vier Hauptstraßen: Schöne Aussicht, Frankfurter, Karls- und Königsstraße. Sie wurden rechtwinklig durchschnitten von drei Querstraßen: Am Friedrichsplatz, Straße an der französischen Kirche und die Fünffensterstraße. Dieses neue barocke Viertel wurde bald weltbekannt, als einzigartige barocke Stadt. Du Ry selbst baute für sich das erste Eckhaus am Friedrichsplatz, Ecke Frankfurter Straße. Die Grundsteinlegung der Kirche erfolgte am 3. August 1698. Der Friedrichsplatz und das Fridericianum wurden nach Niederlegung des Festungsrings 1768 geschaffen und konnte die Obere Neustadt mit der Altstadt verbinden, wo dann auch der Königsplatz gebaut wurde.



Stadtentwicklung durch Migration (Hugenotten-Ansiedlung)

Die Einwohnerzahl Kassels stieg stetig von 1810 mit 23.068 auf 1861 mit 38. 930 Einwohnern. Seit der Einverleibung zu Preußen entwickelte sich die Einwohnerzahl um mehr als das Doppelte auf 106.034 im Jahre 1900 (mit Eingemeindungen bis 1899). Ein deutliches Zeichen der wachsenden Industrialisierung.

18. April 1685: Mit der „Hessischen Freiheits-Konzession“ lädt Landgraf Karl von Hessen Kassel als erster deutscher Landesfürst französische Glaubensflüchtlinge nach Kassel und Nordhessen ein und sichert allen, die sich hier niederlassen wollen, insbesondere „Handwerker und Manufakturisten“, Glaubensfreiheit und wirtschaftliche Unterstützung zu. In Kassel wurde die Oberneustadt gegründet. Hier zogen die kleineren Handwerker und Manufakturarbeiter ein. Im 18.Jh. fand eine zunehmende Assimilation statt, die sich im Rückgang der französischen Sprache im Alltag und einer Zunahme der Eheschließungen äußerte.

Nach Plänen des Architekten Paul du Ry entsteht außerhalb der Stadtbefestigung eine neuer Stadtteil, die Obere Neustadt. 1706 führt der Physiker Denis Papin auf dem Platz vor dem Ottoneum dem Landgraf Karl seine Dampfmaschine vor1710 wurde die Karlskirche eingeweiht und nach dem Förderer der Glaubensflüchtlinge benannt. 1713 wird der Herkules in vierjähriger Arbeit vom Goldschmiedt Johann Jakob Anthoni im Messinghof gefertigt und am 30. November 1717 auf die Pyramide des Oktagons gesetzt. Ein Wahrzeichen Kassels ist weithin sichtbar. 1714 leben in Kassel 14 570 Menschen.

1688: Vor dem Kleinen Weinberg entsteht die "Französische Neustadt", selbständig bis 1808. Funktionale Baustile wurden prägend für die hessiche Architektur. Das Gebiet umschloss die Bellevue, Karlsstraße, Fünffensterstraße, Esplanade mit Karlskirche als geistlicher udn städtebaulicher Mittelpunkt. 1768 Ausdehnung zur Friedrichstraße bis zur Zollmauer und Wolfsschlucht im Nordosten grenzen der Friedrichs- und Königsplatz an die Freiheit.Vorausgehobene Merkmale sind

- die Einheitlichkeit der Bebauung,

- der Landschaftsbezug in das Fuldatal,

- die Bellevue als Schaufront, durch die Georgenstraße als Mittelachse fällt auch heute noch der Blick auf die Karlskirche (Hugenottenstraße heute).

1710: Frankfurter Straße , Teile der Georgenstraße, Bellevue und Front zum Friedrichsplatz bebaut.

1720: Königsstraße fertig bebaut..

1730: Bellevue bebaut.

1767: Opern,- Freidrichs,-Königsplatz stellt bauliche Verbindung zur Kerntadt (Altstadt-Freiheit) her. Kassel von eienr Stadtmauer mit Stadttoren umgeben. Messhaus errichtet.

Zwischen Friedrichsstraße und Fünffensterstraße und Garde du Corps Kaserne liegt dein Park, die Elysäischen Felder.Ab 1804 bebaut, damit ist die Oberneustadtbebauung

abgeschlossen.

1904-1909: Eingriff in das Stadtgefüge durch den Rathausbau, anstelle von Messplatz.


Weitere Maßnahmen zur Entwicklung

1726: erste Schulpflicht in Hessen und Kassel,

1742: Kleine Fulda wird trocken gelegt, Auedamm aufgeschüttet,

1748; 1055 Straßenlaternen aufgestellt, die auch Goethe beeindruckten.

1767: zu langsame Bebauung der Königsstraße beklagt, am 21. Dez. Stadtbefestigung wird nieder gerissen, Arbeiten dauern bis 1790.

1777: Der Geschütz- und Glockengießergeselle Georg Christian Henschel (1750-1835) findet Arbeit in Kassel

1779: Museum Fridericianum eröffnet, das erste öffentlich zugängige Museum.

Armutsbericht von Professor Georg Forster

Er schreibt an einen Freund:“Es ist kein Ort auf der runden Erde, der soviel Armuth und splendida miseria in sich fasst als Cassel. Alles bis zum Obristen und Oberappelationsgerichts Räthen stirbt hier bettelarm, hinterlässt Schulden, und Witwen und Kinder im äussersten Elend. Außer der sogenannten preussischen Clique im Ministerio. und den Herren Adjudanten, imgleichen ein paar nothdürftigen dienstbaren Geistern, jener Clique, und dem Hofagenten Feydel,- der ein Jude ist - hat hier kein Mensch Geld, sondern alles leidet Noth, im wörtlichen Verstande.“

1882: Kaufhallen am Marställer Platz werden fertig gestellt. Unter den Pächtern sind:Krämer, Schuhmacher, Blechschmiede, Drechsler, Bäcker, Konditoren und andere Gewerbetreibende.

Kleine Chronik

1784: Am 3. Mai wird die Charitè vor dem Leipziger Tor eröffnet.

1789: In Kassel leben 18 450 Menschen. Johann Christian Arnold gründet in der Brüderstraße die erste deutsche Tapetenfabrik von Bedeutung-

1792: Die Kattunfabrik im Agathof arbeitet mit 300 Arbeitern erfolgreich.

1793: Der holländische Tabakfabrikant ( Thorbecke wenige Jahre zuvor gründete er die erste Tabakfabrik in Kassel) pachtet vom Staat das Gut Schönfeld

1794: die neue Fuldabrücke ist fertig.

1796: Der Stückgießer Georg Christian Carl Henschel baut das erste deutsche Bleiwalzwerk für die eigene Werkstatt an der Weserstraße. Der dreiflügelige Neubau des fürstlichen Schlosses zu Weißenstein ist fertig gestellt und erhält den Namen Wilhelmshöhe nach dem Erbauer Landgraf WilhelmIX..

1799: Die Firma G. Chr. C. Henschel erwirbt das neben der staatlichen Gießerei gelegene Haus. Die Firma Friedrich Breda am Pferdemarkt beginnt mit der Produktion von Kautabak und Zigaretten und findet guten Absatz.

1801: Die Firma Peter Ruhl begründet einen neuen Industriezweig in Kassel für pharmazeutische Bedarfsartikel.

1806: Kassel wird Residenz Königreich Westfalen

1808: Gewerbefreiheit wird eingeführt, Seifenfabrik Diemar & Heller gegründet

1809: die Zünfte werden aufgelöst. Ihr Vermögen wird Staatseigentum.

1810: G. Chr. C. Henschel wird aus der staatlichen Gießerei ausgewiesen und gründet im Nachbarhaus gründet ein eigenes Unternehmen, das zu Weltruhm gelangen wird.

1813: am 21.Nov. kehrt Kurfürst nach Kassel zurück. Alle unter westfälischer Herrschaft beschlossenen fortschrittlichen Gesetze werden für nichtig erklärt.

1814- 1866: Die Gewerbefreiheit ist aufgehoben und eine neue Zunftordnung wird 1816 erlassen. Handwerk bekommt so seine alte Verfassung wieder. Insgesamt wird Kassel die Industrialisierungswelle erst nach 1866 erfassen und auch die Verwaltungsorganisation von Preußen übernehmen. Damit entscheidet nicht ein Kurfürst über die wichtigsten Belange der Wirtschaft und des Lebens, sondern preußische qualifizierte Beamte, die neunen Schwung in Wirtschaft und Gemeinwesen bringen. 1821 wird der Handels- und Gewerbeverein gegründet, der die Interessen des Handwerks und Gewerbes fördern soll, um auf diese Weise zur Belebung und Erstarkung der vaterländischen Industrie bewirken soll. 1822 wird Karl Schomburg Stadtoberhaupt und wird 1835 der erste Oberbürgermeister Kassels. Sein Ziel ist es eine städtische Sparkasse ins Leben zu rufen.

1823: Der Destillateur Isaak Rosenzweig eröffnet in der Hohentorstraße eine Farben- und Drogenhandlung (Rosenzweig & Baumann).

1825: Großhandel mit Kurz- und Wollwaren, Keimzelle der Buntpapierfabrik Ludwig Bähr KG gegründet.

1830: Wirtschaftliche Lage wird immer schlechter. Oberbürgermeister überreicht dem Kurfürsten eine Bittschrift.

1831: Am 8. Januar erhält Kurhessen eine neue Staatsverfassung. Anschluss an das preußische Zollsystemeröffnet neue Möglichkeiten zur Verbesserung der Wirtschaftsbeziehungen.

1832: im Oberstädter Rathaus eröffnet die städtische Sparkasse ihre Pforten. Höher Gewerbeschule nimmt ihre Arbeit auf Berühmte Chemiker wie Friedrich Wöhler und Wilhelm Bunsen geben hier Unterricht. 1833 wird ein kurhessischer Eisenbahnverein gegründet und 1834 wird der preußisch-deutsche Zollverein ins Leben gerufen. Mit der Gemeindeordnung für die Städte und Landgemeinden in Kurhessen erhält Kassel ein Organ der Selbstverwaltung: Oberbürgermeister, Bürgermeister, Stadtrat und Gemeindeausschuss. Durch das Gemeindefinanzrecht wird eine gesicherte Verwaltung des Gemeindevermögens und ein geregeltes Gemeindesteuerwesen geschaffen, das bis 1898 in kraft war und dann durch die Städteordnung für die Provinz Hessen Nassau abgelöst wurde. 1836 wird das Ständehaus, das Parlamentsgebäude des kurhessischen Staates, eingeweiht. 1837 nimmt die Firma Henschel& Sohn mit 200 Arbeitern ihr neues Werk am Möncheberg in betrieb.

1848 verlangen Gewerbetreibende die Aufhebung aller industriellen Staatsbetriebe und ihrer Überlassung an Privatleute. Ausdruck der Gewerbetreibenden, die Industrialisierung aufzuhalten und die kleinen und mittleren Betriebe Vorrang zugeben. Es entstehen noch einige Handwerksbetriebe und Geschäfte. Die Haltung des Kurfürsten wird deutlich als der Fabrikant Carl Henschel den Antrag stellte, seine Firma in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Dies scheitern an der Industriefeindlichkeit des Kurfürsten. 1861 beschäftigt die Waggonbaufirma Thielemann, Egena und Comp. , vor dem Holländischen Tor, 270 Arbeiter. Bis 1866 werden noch einige Geschäfte und Handwerksbetriebe gegründet.

Preußen übernimmt Kurhessen

Eine Industrialisierungswelle setzte erst nach Übernahme Kurhessen durch Preußen ein. 1867 wurde wieder das Zunftmonopol aufgehoben, das schon Jeromè veranlasst hatte und die Gewerbefreiheit eingeführt. Die Verkündung, dass Kassel und Kurhessen jetzt zum Königreich Preußen gehört, sollte vor allem im Bereich der Wirtschaft große Auswirkungen haben. Das Datum6. Oktober 1866 markiert den Auftakt zur Industrialisierung in Kurhessen und insbesondere für Kassel. 1869: Mit der Gewerbeordnung für den norddeutschen Bund erden Gewerbefreiheit und Freizügigkeit in Kurhessen eingeführt.



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