Spaziergang durch das 19. Jahrhundert ( nach Reinhard Hochapfel)

Die Erschließung des Weinbergs


1864, das Haus Hochapfel,rechts, zuerst an der Humboldstraße, nach Erschließung der Weinbergstraße (vorher Rondelweg) kam das Haus zur Weinbergstrraße, die Humboldtstraße wurde bis zur Terrasse weitergeführt.

Der früher auf der Höhe des Weinbergs von Osten nach Westen führende schmale Gartenweg (Weinbergstraße) führte gradlinig vom Schellhase`schen Garten bis nach dem westlichen Ausgang der Eidechse, oberhalb des auf der Ebene liegenden Gartens von Dr. Wehr und bog rechtwinklig nach der Humboldtstraße. Vor Dr. Wehrs Haus gab es einen Grasplatz als Wendeplatz und Ablagerungsmöglichkeit für die unteren Weinberggrundstücke. Ostwärts davon führte noch ein Gartenweg am Kegelgarten vorbei (kaufte später Kaufmann Zwenger) zur Humboldtstraße. Der Gartenweg (Weinbergstraße) war an der südlichen Seite mit Holzkirschenbäumen bepflanzt. Es stand ein Seilerhäuschen dort, ein Seiler hat von der Stadt die Berechtigung erlangt, dort seine Seile zu drehen. An der gegenüberliegenden Seite begann der fürstliche Park, der durch die Villenbauten Henschels in Richtung Norden verändert wurde und zwei Rondellbauten wurden ebenfalls gebaut. Henschel zahlte der Stadt für die Grundfläche der Weinbergstraße 450 000 Mark und die Kosten  der Neuherstellung der Straße und der angrenzenden Anlagen des Hanauischen Parkes, Kosten 250 000 Mark. Damals war der östliche Eingang zur Eidechse viel breiter und der Aussichtspunkt über die Aue und Fulda und Söhre über das südliche bergige Vorland der Stadt. Hier hatte sich an einer kleinen Böschung in den 1830er Jahren der Stadtgerichtsreferendar, spätere hessische Verfassungkämpfer  und dann Reichtagsabgeordneter Dr. Friedrich Oetker eine einfache Naturbank herrichten lassen, um von seinem Lieblingsplatz die Aussicht genießen zu können. Etwas westlicher lag an dem Weg das erste Haus an der Weinbergstraße, die Nr. 10, vom Blechschmied Justus Költzky. (Foto im Buch)
Die „Pillenburg“ - Villa mit Turm 1851 an der Weinbergstraße 27 erbaut -

Humboldtstraße (Weinbergweg) in den 1920er Jahren und 1903 Frankfurter Straße mit Weinbergbebauung.

An der Südseite der Weinbergstraße neben dem Schwanschen Felsenkeller lag bis Ende der 1840er Jahre noch ein unbebauter Garten, welcher 1850 vom Apotheker A. Sievers angekauft und 1851  mit einer massiven, mit Zinnen gekrönten Villa bebaut wurde, die von der Frankfurter Straße her, einen burgartigen Anblick gewährte und im Kasseler Volksmund die PILLENBURG genannt wurde. Danach kaufte Schlossermeister Gunkel den Sieversschen Garten schräg gegenüber (2 Gärten für 800 Taler), Weinbergstraße 8 und Grimmstraße 1 und bebaute die Nr. 8.

Der Pionier der Bebauung des Weinberges


Anschließend waren unterhalb der Beinhauererischen Besitzung liegend und bis zum Philosophenweg erstreckende Garten durch den ersten Pionier dieser Gegend , den Pfarrer Hermann Wilhelm Jäger, ein Wohnhaus in 1845 erbaut. Das Haus ruhte auf  einem Backsteingewölbekeller indem eine Obstdörre eingebaut war. 1912 wurde das Haus modern umgebaut. Das 3000 qm große Grundstück hatte keinen direkten Zugang, sondern war nur von der Eidechse aus zu erreichen, deshalb kaufte Pfarrer Jäger noch einen Streifen aus Sanssouci für einen Zugang von der Humboldtstraße. Er kultivierte besonders Zwergobst und Wein. Pfarrer Jäger war von 1820 bis 1829 Lehrer am Lyceum Fridericianum, später Stadtrat und Vicebürgermeister. Er starb 1867 im 84. Lebensjahr. Er war begeisteter Obstliebhaber und gilt als Mitbegründer des Pomologischen Gartens in Kassel (1858- 1860). 


Jagdschloss Sanssouci  König Jerome Napoleon ließ das Anwesen im Jahre 1812 als Jagdschloß und Rendezvousplatz am westlichen Ende im Philosophenweg 64 errichten. 1814 gehörte das Anwesen zum Malsburgischen Gut (Gut des Herrn Forstraths von Malsburg). Ein Freund der Familie, ein Berliner, betrieb hier die Gaststätte Sans-souci, wie er sie nannte und auch auf dem Aushängeschild auf der Eingangspforte zu lesen war. Ein Wohnhaus wird ebenfalls unter dieser Adresse geführt und als Wohnung von 1890-1900 von Oberstleutnant Fritz von Buch genutzt. Von der Frankfurter Straße bis zum Anwesen Sanssouci wurde der Weg nach der beliebten Schenke WEG NACH SANSSOUCI (Unter dem Weinberg in den 1860er Jahren und ab 1875 Philosophenweg) genannt. 1860 gehörte Sanssouci  dem Fabrikant Schmidt  ( Schmidt & Keerl, 1863, Eisenmöbelfabrik an der heutigen Tischbeinstraße), zu dem Anwesen gehörten auch mehrere Acker Land jenseits des Trußbachs (Abzweigung des Druselgrabens). Etwa an dieser Stelle bis zur Augustastraße gab es vormals das Dörfchen Weingarten und die Schleifmühle im Weinberg von der 1891 Hochapfel berichtete. Das Grundstück erstreckte sich vom Philosophenweg bis zur Weinbergstraße und entlang des Schlangenweges.

1900:Der Obere Schlangenweg mit Terrasse 1a, 1859 Kölschky und Terrasse 19, heute noch erhalten.

Der Schlangenweg – Vom Pfad zur Wohnstraße

Auf der Südseite am Eingang zur Terrasse lag ein schönes Wäldchen, welches sich den Berg von der Terrasse Nr. 1 hinabzog. Ein gewundener Fußweg führte den Berg hinab, damals zum Philosophenweg Nr. 12, welches in den 1830 Jahren noch saalartige Gemächer hatte. Westlich davon sog sich wiederum ein kleines Wäldchen den Hang hinab, wovon einige noch mitten auf dem Weg standen. Der Fabrikant Atzert erwarb um 1880 aus der Besitzung Sanssouci die Grundstücke  Nr. 11 + 13,  und baute dort seine Villa. Um 1890 gab es in Nr. 3 Dr. phil. Rademacher und weiter unten in der Nr. 21 erbaute Maurermeister Koch ein Mietshaus.

Aufnahme von 1928, mitte Pfarrer Jäger, darüber Hochapfel, unterhalb Jäger, links bis zur Grenze zur Pfannkuchstraße und Wilhelmshöher Allee erstreckte sich das Anwesen Sanssouci. Vom Haus Hochapfel 1880 fotografiert. Das Druseltal (Kleine Fulda).

Die letzte noch zum Weinberg gerechnete Besitzung war die des Rates Heinrich Steinbach, der Kabinetssekretär und Vertrauter der Landgrafen Friedrich II und Wilhelm IX. War. Das Anwesen erstreckte sich von Sanssouci aus westlich zur Augustastraße und von Norden nach Süden von der Wilhjelmshöher Allee fast bis zum Philosophenweg. Es war ein sehr idyllisches, romantisches und durch seine Vielseitigkeit bestimmtes Grundstück. Auf der zur wilhjelmshöher Allee sich neigende Fläche warten hübsche Boskette und Blumenbeete vorhanden an der Südspitze dagegen in den Kalkfelsen eine geräumige Nische mit schönem Grasplatz davor, umgeben von Gebüsch und Bäumen. Das Wohnhaus der Steinbachs an der Wilhelmshöher Allee 45 wurde in den 1860er Jahren vom Apotheker Waitz erworben, der auch an der Sophienstraße Nr. 9 eine imposante Villa erbaute, die um 1891 im Besitz des deutschen Botschafters in St. Petersburg, General von Schweinitz, übergegangen ist, der durch Aufstockung ein imposantes Herrschaftshaus daraus machte. Mit der Anlage der Oberen Sophienstraße und deren Fortsetzung durch die Straße  „Terrasse“ wurden dann weitere Baugrundstücke auf dem Weinberg erschlossen, gesucht und bebaut. Die Obere Sophienstraße ist mit ihren beiderseitigen Häuserreihen und den Gärten ausschließlich auf dem Gelände des früheren Steinbachschen Grundstücks angelegt. Die Terrasse nur zum kleinsten Teil und hauptsächlich auf dem Boden von Sanssouci.

Die Straßen auf dem Weinberg

Vor dem Frankfurter Tor wurden die Häuser und Adressen auf dem Weinberg und Frankfurter Landstraße bezeichnet. Es um 1835 die Adressen der Felsenkellerlokale, Gärten, Gaststätten
und die Auepförtnerwohnung am Aueweg, sowie die Herrschaftliche Meierei mit ihren Personal und an der Hofbleiche die Mieter des Lustschlosses Maximilian, ansonsten Gärtnereien.


Vor dem Wilhelmshöher - Tor  gab es 18 Adressen, Grundstücke, Gärten und vereinzelte
Bebauung von Persönlichkeiten, es werden im Adressbuch erwähnt u.a. ein Landgerichtsrat,
Oberpostdirektor, Bankier, Fabrikanten oder ein Oberhofmarschall, später zog auch der Adel
in diese erste Wohnadresse.

Straße Im Weinberg - Haus Bunsen  - Weinbergstraße und Humboldtstraße                     


Vor dem Friedrichstor (heute Staatstheater) gab es die Wohnung des Hofgartendirektors, die Gärtnerwohnung an der Mailienbahn, Pavillon am Irrgarten, die Auepförtnerwohnung an der Kleinen Fulda, ein Wohnhaus am Küchengarten und die Auepförtnerwohnungen am Weg zur Neuen Mühle,
Insel Siebenbergen, daneben das Försterhaus.
Ab 1846 gab es das Wohnhaus von Pfarrer Jäger im Weinberg, unterhalb der heutigen Humboldtstraße 23, das erst im II. Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Es war das erste Haus in dieser damals einsamen und verrufenen Gegend.
In den 186oer Jahren war schon eine rege Bautätigkeit in diesen genannten Gebieten zu verzeichnen, so dass Ende der 60er Jahre die Gartenlage vor den Toren aufgegeben werden mußste und es entstanden neue Straßen vor dem Frankfurter Tor:


- Unter dem Weinberg (früher Weg nach Sanssouci)
- Auf dem Weinberg (Stichstraße von der Weinbergstraße in den Hang)
- Weinbergstraße -
- Terrasse
- Schlangenweg.
Ebenso vor dem Wilhelmshöher Tor:
Humboldtstraße mit Grimm- und Marienstraße.
Annastraße
Luisenstraße
Adolfstraße.


Bebauung der Friedrichstraße
Die Straße wurde nach dem Landgraf Friedrich von Rumpenheim (1747-1837) benannt. Ein Schmuckstück am Ende der Friedrichstraße gegenüber der Neuen Galerie gelegen ist das Hölksche Haus. Der viergeschossige Klinkerbau, innen und außen konsequent im Stil der Neorenaissonce gehalten, ist an der Frankfurter Straße der Blickfang neben dem Elisabeth-Kloster. Das Haus wurde nach Abriss des Frankfurter Tors (Wachgebäude) 1879 für den Hoflieferanten und Sanitärwarenfabrikaten Christian Hölke gebaut. Die Historismus-Ornamentik des einstigen Wohn- und Mietshauses, das heute als Gastronomie und darüber Büros beherbergt, greift vor allem Formen der italiensichen Renaissance auf.


Die Friedrichstraße verläuft unterhalb des Brüder-Grimm-Platzes in Richtung Frankfurter Straße und war früher die südliche Grenze der Oberneustadt. Das ursprüngliche Palais nach dem Brüder- Grimm-Platz 4 wurde für zwei Fürstbischhöfe gebaut, die Jerome` Bonaparte mit nach Kassel brachte. 1813 wurde es zur Tapetenfabrik, die von Johann Christian Arnold aus einem kleinen Handwerksbetrieb heraus gegründet wurde. Die Wohnungen über der Arnoldschen Tapetenfabrik, deren Gebäude am damaligen Wilhelmshöher Platz noch nicht durch den späteren Mittelbau verbunden waren, entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt für Künstler. Darunter waren namhafte Künstler wie Ludwig Spohr, Ludwig Emil Grimm, die Pianistin Clara Schumann und die Komponisten Felix Mendelsohn Bartholdy und Franz List. Bis 1926 war das Gebäude im Besitz der Familie Arnold. 1928 zog der Verlag der Kasseler Post ein. Das Blatt ist gemeinsam mit den Hessischen Nachrichten, die ihr Pressehaus nach dem Zweiten Weltkrieg in der Baulücke Friedrichstraße 32-34 errichten, Vorläufer der HNA.
In der Friedrichstraße 32 hatte die Kasseler Kunstakademie lange ihren Sitz gehabt und dort wo die Häuser Nr. 34 und 36 gebaut wurden, waren vormals die Torwache des Frankfurter Tors untergebracht. 1879 wurde an der Ecke Frankfurter Straße das Hölksche Haus mit schmuckvoller Jugendstilfassade errichtet.