Die Felsenkeller und Dichter Ernst Kochs ROSA STRAMIN-Hymne an den Weinberg

Ernst Koch wohnte in einem kleinen Haus nahe dem Wilhelmshöher Tor, das auch von  den Geschwistern Causid bewohnt wurde. Hier begann er sein Werk PRINZ ROSA STRAMIN.
Unweit der Felsenkeller wohnend trieb es ihn oft hierher, um in dieser Idylle auch in den frühen Morgenstunden zu schreiben. So setzte er den Felsenkellern, der Kirschblütenplantage, der Stimmung auf und unterhalb des Weinberges ein literarisches Denkmal.

Ernst Koch verfasste mit seinem Lyrikband "Prinz-Rosa-Stramin" eine wahre Hymne an den Weinberg. In der Mitte an der Pergola sollte ein Gedenkstein für ihn errichtet werden. Und sollte links ein Museum entstehen, so kann diese Stimmung von 1834 wieder ins 21. Jh. übertragen werden, wenn im obersten Stockwerk eine Aussichtsplattform entstehen würde. Links ist auch noch die alte Brunnenanlage von Henschel als Ruine zu erkennen, die ebenso in diesem Neubau einbezogen werden kann. Oberstes Ziel sollte es sein den Fürstengarten oben mit dem zukünftigen Weinbergpark als Märchenpark mit freien Zugang zu den Terrassenanlagen den Bürgern zu erhalten.

Ernst Koch (1808 bis 1858), Schriftsteller
Unter dem Pseudonym Eduard Helmer veröffentlichete der Schriftsteller 1834 den "Prinz Rosa-Stramin":
"Nämlich ich schreibe diese gegenwärtige Zeilen an einem schönen Frühlingsmorgen, während ich zu Kassel auf einer Anhöhe vor dem Frankfurter Tore in der Laube eines öffentlichen Gartens sitze, wohin um diese Tageszeit niemand zu gehen pflegt, und wo ich den Rosa-Stramin glücklich anzufangen gedachte. Die Natur hängt voll Blüten, voll Gesang und Pupurschein. Die Kellner putzen um mich her mit großen Schwämmen die Tische ab... Ich habe einen goldenen, heiligen, singenden Frühlingsmorgen vor mir. Die Sonne ist schon vor einer Stunde aufgegangen, obgleich der Leser noch im heußen Federbette steckt.
Die Gegend glüht in einer rosigen, fremdartigen Beleuchtung und hat ein so kindliches Ansehen, der Äther ist so klar, so glockenrein, so lauter bis an die fernsten Gebirge, daß es mir ist, als dürft´ ich der Natur, weil ich so früh andächtig vor ihr stehe, einmal recht tief in die seelenvollen Augen blicken. Alles lärmt und jubelt um mich her: der fragende helle Ton der Drossel, das ferne hohe Wirbeln der Lerche, das Geschrei vorüberrauschender Schwalben, das nahe Zirpen kluger Spatzen, entferntes Hahnengekrähe und Hundegebell. Und wie sich die rötlichen Äcker, an denen ferne gebückte Menschen stehen und arbeiten, abwechselnd mit dunkelgrünen und gelben Vierecks und dem reifenden Hellgrün der jungen Saat, gleich ausgespannten Tüchern vor mir ausdehnen: wie sich der Fluß träumerisch und mit tanzenden Silberblitzen an dem Berge hin in das Tal schmiegt, wo weiße Häuschen wie Punkte im Sonnenschein leuchten, und wie die glänzende Taube im azuren Äther sich schaukelt und wiegt, und wie mit blühenden Kastanien besetzt, die lebendige Herrstraße sich vor mir hindehnt und über die Berge läuft und mit sich fortreißt die vergebliche Sehnsucht nach den Alpen und nach dem glücklichen Italien: wie nun da unten die Fruchtwagen knarren, und die Pferde klingeln, und die Peitsche knallt, und das roh-fröhliche Gespräche der Fuhrleute heraufdringt, und die Steinklopfer gekrümmt an der Straße stehen, und ihr Hammerschlag soviel später zum Ohre dringt, als er fällt, und wie das Hirtenhorn den langen, fröhlichen Ton erschallen läßt, und wie die Kuh zögernd aus dem Stalle tritt, sich umschauend mit den großen dummen Auge, und mit Anstrengung brüllt, - da läutet plötzlich die Glocke des nahen Dorfes einförmig und singend und summend, und doch so lieblich, si erinnernd, so gemütlich, als sollte in der Natur die Frühmesse beginnen. In der Ferne ruft der prophetische Kuckuck, und ein Schuß tönt weithin verhallend und müde durch die Gebirge. Links unten liegt die düstere Aue mit großartigen Baumgruppen und üppigen gewölbten Wipfeln, und rechts auf einem Hintergrund von Waldwogen und vollem weichen Baumschlage das Wilhelmshöher Schloss, und weiter hinauf die Löwenburg, halb versteckt und bescheiden, wie eine an den Busen von Wilhelmshöhe gesteckte verwelkte Blume liebender Erinnerung. Neben mit blüht die ostereierfarbige Levkoje, der orangenfarbige Lack und der goldregnende Bohnenbaum. Und wenn jetzt die Schwarzamsel dort auf dem Apfelbaum den hellen Metallton durch die Lüfte zieht, und auf- und niedertauchende Schwalben im Schnellfluge sich kreuzen und jubelnd in dem rosigen Lichtmeer sich baden, und im duftigen Äther bis fernhin alles singt und summt und läutet und bellt und jubelt und lärmt, und wie alles Lied, Liebe und Leben ist, - da möcht ich hinsinken auf die Knie und rufen: du unendlicher lieber Vater, wie ist die Welt so schön!"

Ein Denkmal für den Dichter am historischen Ort
Ernst Koch, 3. Juni 1808 in Singles geboren, gestorben 24. November 1858 in Luxemburg, war der Poet, der sich mit seinem Hauptwerk  „Prinz Rosa Stramin “ ein Denkmal setzte und im ganzen Hessenland damit bekannt wurde. Von ihm stammt auch der Satz „Göttingen hat eine Universität, Marburg hat eine“. Das Buch wurde mit Begeisterung vom Publikum aufgenommen und sogar als eine Art Nationaldichtung für Hessen gepriesen (Dr. Wilhelm Schoof). Die HNA berichtete im „Ein Blick zurück (542): „in seinem romanischen Reichtum an Wehmut und Witz, an Anmut und Phantasie, an Laune und Liebe ist er (Prinz Rosa Stramin ) wohl wert eines einzigen Tröpfchens Unsterblichkeit.“ So Werner Bergengruen. Und Herfried Homburg urteilt, „das Werk sei der schönste und beste Beitrag, den je ein Niederhesse der deutschen Literatur gab“. Ernst Koch  wuchs in Oberaula. Neukirchen, Waldkappel, Witzenhausen und Kassel heran. Da Kochs Vater Friedensrichter und später Kreisrat war, wurde er häufig versetzt. Er studierte ab 1825 in Marburg Jura, ging ein paar Semester nach Göttingen und promovierte dann wieder in Marburg . Als Referendar trat er in den Staatsdienst, wurde am Obergericht zu Kassel tätig, Sekretär des Landtagskommissars und Referent im Ministerium. Damals verlobte er sich mit Henriette von Buttlar, Tochter eines braunschweigischen Oberstleutnants. Henriette schickte Koch in einem ihrer Briefe ein Notizbüchlein „für poetischen Gedanken“. Der Umschlag zeigte einen auf rosafarbenen Stramin gestickten persischen Prinzen. Er gab dann den Titel für das buntschillernde impressionistische Gemälde Kochs „Prinz Rosa Stramin“ ab. Aus Verzweiflung über die politischen Verhältnisse, er wurde dem reaktionärem Regierungslager zugerechnet und Freunde wandten sich von ihm ab , das Verlöbnis wurde von den Eltern Henriettes gelöst – verließ er 1834 die Heimat. Er ging in die Fremdenregion, machte blutige Gefechte mit u.a. gegen die Karlisten in Spanien. Seine Legions-Erlebnisse fasste er in der Ewrzählung „ Aus dem Leben eines bösen Jungen“ zusammen. Die Jahre später kehrte er nach Kassel zurück. Der Kurfürst verweigerte aber eine Wiederaufnahme in den Staatsdienst. Da folgte er einen Ruf des ehemaligen hessischen Ministers Hassenpflug nach Luxemburg als Regierungssekretär. Die Stadt lud ihn 1856 offiziell nach Kassel ein. Wer war schon Professor für deutsche Sprache und Literatur am Athenäum in Luxemburg. In Kassel wurde er umjubelt und nach einem Festkommers und zahlreichen Ehrungen geleitete man ihn in einem Fackelzug ins Hotel. Am 24. November 1858 starb er an Lungentuberkulose und wurde auf dem alten Friedhof in Luxemburg beigesetzt. Ein äußerliches Erinnerungsdenkmal widmete dem Dichter lediglich die Stadt Witzenhausen; seit 1908 trägt sein ehemaliges Wohnhaus dort eine Gedenktafel. In Kassel trägt eine kleine Straße in Wehlheiden seinen Namen.



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